SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

Andacht des Tages

Dienstag, 04. August, Johannes 7,53-8,11

We listen and we judge?!?

Die Geschichte aus Johannes 7,53–8,11 kennen viele: Eine Frau wird beim Ehebruch ertappt und öffentlich vorgeführt. Schriftgelehrte und Pharisäer stellen sie in die Mitte, alle sehen sie an, alle wissen angeblich sofort, was mit ihr passieren muss. Das Gesetz ist klar, die Schuld scheinbar auch. Und Jesus soll das Urteil bestätigen. Doch er tut etwas völlig Unerwartetes. Er diskutiert nicht über Schuld oder Strafe. Er sagt nur: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Und plötzlich geht es nicht mehr um die Frau, sondern um die Menschen um sie herum. Um die, die urteilen. Um die, die sich sicher fühlen, weil sie gerade nicht in der Mitte stehen.

Wenn man ehrlich ist, sind wir meistens genau diese Menschen, die drumherum stehen. Wir stehen am Rand. Wir schauen zu. Wir bewerten. Du und ich. Vielleicht denken wir uns unseren Teil, vielleicht lachen wir aber auch laut mit unseren Freunden darüber. Über die anderen. Wir vergleichen uns mit anderen und kommen dabei ziemlich gut weg. Haben zwar unsere Fehler, aber das Tiktok ist ja viel bodenloser und so tief wie die im Trash-TV sind wir noch nicht gesunken. Wir kennen uns selbst und unsere Hintergründe, die der Anderen aber selten. Und das hält uns trotzdem selten vom Urteilen ab. Gleichzeitig wissen wir alle, wie es sich anfühlt, selbst verurteilt zu werden. Missverstanden zu werden. Auf einen Fehler reduziert zu werden. Vielleicht sogar zu Unrecht. Diese Erfahrung verbindet uns eigentlich alle. Und trotzdem tun wir oft so, als stünde uns das Urteil über andere zu.

Jesus dreht den Blick weg von der Frau und hin zu denen, die den Stein schon in der Hand halten. Er zwingt niemanden. Er zeigt nicht mit dem Finger auf jemanden. Er sagt auch nicht, ihr habt Recht oder ihr habt Unrecht. Und einer nach dem anderen geht. Nicht, weil plötzlich alles egal ist. Sondern weil jede und jeder merkt: Ganz so eindeutig ist es dann doch nicht. Am Ende bleibt Jesus allein mit der Frau zurück. Keine Steine. Keine Anklage. Aber auch kein Freifahrtschein. „Ich verurteile dich nicht“, sagt er. Und gleichzeitig: „Geh und sündige hinfort nicht mehr.“ Gnade und Verantwortung schließen sich nicht aus. Sie gehören zusammen. Vielleicht wäre unsere Welt ein anderer Ort, wenn wir weniger damit beschäftigt wären, andere kritisch zu betrachten, und stattdessen öfter bei uns selbst anfangen würden. Denn wenn jede und jeder sich selbst ehrlich hinterfragt, müssen wir nicht ständig über andere richten. Dann fallen die Steine vielleicht ganz von allein aus der Hand.

Über wen urteilst du besonders schnell – und warum? Wo misst du dich selbst anders als andere? Wann hast du dich zuletzt ungerecht beurteilt gefühlt? Achte bewusst auf Momente, in denen du innerlich über jemanden urteilst. Halt kurz inne und frage dich, was du gerade wirklich weißt – und was nicht. Vielleicht legst du den Stein innerlich beiseite. Mindestens einmal ganz bewusst.

Rebecca Leistner, Saupersdorf

Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.