Wie oft hören wir im Alltag diese Frage? Irgendetwas läuft richtig schief – eine 5 in Mathe, da wird jemand schlimm krank, jemand wird ausgegrenzt oder gemobbt, die Eltern des besten Freundes trennen sich, in der Klasse wird sich nur noch gezofft. Und immer schwebt die Frage im Raum: Wer ist Schuld? Die Anderen? Ich selbst? Die Eltern? Gott?
Mit genau so einer Frage beginnt unser heutiger Bibeltext.
Eine der vielen Heilungsgeschichten der Bibel. Jesus heilt einen blindgeborenen Mann und die erste Frage der Jünger an Jesus, als sie diesem Mann begegnen, ist: Wer ist Schuld an seiner Blindheit?
Für die Jünger scheint klar zu sein: wenn einer krank ist, dann muss jemand Schuld daran haben. Eventuell haben seine Eltern etwas Schlechtes getan oder der Mann selbst hat gesündigt.
Jesus aber lehnt dieses Schuld-Denken ganz klar ab. Er schaut nicht auf die Schuld, sondern darauf, was aus dieser Krankheit Gutes werden kann. Nämlich: Gott zu verherrlichen.
Jesus verdeutlicht seinen Jüngern und auch uns heute: Auch, wenn man im ersten Moment nur das Leid sieht, hat Gott etwas Gutes damit im Sinn. Jesus sieht den Menschen, so wie er ist – mit seinen Macken, Eigenheiten und Schwächen. Er sieht direkt ins Herz, will den Menschen gesund machen und gleichzeitig Gottes Wirken in den Mittelpunkt stellen.
Nachdem Jesus dem Blinden Heilung zugesprochen hat, geht der zu den Leuten in seiner Stadt und bezeugt: Ich bin es, der blind gewesen ist. Ich bin es, der geheilt wurde. Ich bin es, der endlich wieder sehen kann. Er steht zu seiner Vergangenheit und er steht zu dem, was Jesus an ihm getan hat. Er bekennt: Gott hat an mir ein Wunder getan. Er hat mich verändert.
Gott handelt in unserem Leben vielleicht nicht durch so ein großes sichtbares Wunder – manchmal würde ich mir das wünschen. Wenn wir aber genau hinhören und hinsehen, wird er in vielen kleinen Momenten in unserem Alltag sichtbar. Wenn wir eben nicht mehr nur die Schuld hinter allem suchen, sondern unser Herz zur Ruhe kommen kann. Wenn wir zu denen stehen, die ausgegrenzt oder gemobbt werden. Wenn wir dem traurigen Freund ein gutes Wort sagen. Wenn wir dafür sorgen, dass ein Streit bei Seite gelegt werden kann, weil nicht jeder nur auf sein Recht besteht. Dann spüren wir in unserem Herzen die Veränderung, die Jesus damals an und durch den Blinden bewirkt hat. Und das ist ein wahres Wunder!
Maria Lein, Raschau-Markersbach
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.