In dem heutigen Text lehrt Jesus im Tempel. Dafür erfährt er den Hohn und die Verurteilung der Gelehrten, welche nicht verstehen, wie er lehren kann, ohne die gleiche Lehre wie sie erfahren zu haben. Sie halten ihn für einen Heuchler. Außerdem wird er dafür verurteilt, dass er am Sabbat heilte. Gleichzeitig vollziehen Gelehrte, wenn der achte Tag auf einen Sabbat fällt, die Beschneidung. „Ist das gerecht?“, entgegnet Jesus den Gelehrten.
Können wir uns aus den Geschehnissen und Aussagen Jesu im Tempel noch etwas für das heutige Leben nehmen? Wir können uns einiges für den Umgang miteinander und unser Gerechtigkeitsverständnis abschauen.
1.
Nur weil wir uns in der heutigen Zeit immer weiter spezialisieren und immer weiter nach höheren Abschlüssen streben, heißt das nicht, dass man sich Wissen, Können und Fähigkeiten nicht auch anders aneignen kann. Nur weil ein anderer in einer Fachdisziplin bessere Noten oder mehr Zertifikate und Abschlüsse hat, muss er nicht näher an der Wahrheit sein. Wie Jesus schon sagte, kommt es darauf an, ob es einem nur um die eigene Ehre geht oder ob man mit voller Überzeugung für die Sache steht und es einem dabei nicht auf das Ansehen ankommt. Wem es um die gleiche Sache geht, wird dann auch erkennen, wer Wahrheit kundtut und wem es nur auf seine eigene Persönlichkeit ankommt. Bevor wir vorschnell urteilen, sollten wir uns also selbst prüfen und den anderen die Gelegenheit geben, ihr Können und Wissen mit uns zu teilen, auch wenn sie es sich auf anderen Wegen als wir - vielleicht sogar auf sehr unkonventionellen Wegen - angeeignet haben. Wenn wir aufmerksam sind, werden wir stets merken, wer Wahrheit spricht.
2.
Nur weil etwas auf den ersten Blick recht oder unrecht wirkt, muss es das nicht sein. Hätte Jesus einen Menschen nicht heilen sollen, nur weil Sabbat war, während die Beschneidung am Sabbat stattfinden darf, weil sie auf Grund der Gesetze am achten Tag stattfinden muss? Wir sollten uns auch heute immer fragen, ob etwas recht oder unrecht ist. Dabei sollte man jedoch nicht nur auf das Offensichtliche achten, sondern auf das Ganze. Gerecht ist nicht gleich. Wir dürfen nicht verurteilen, ohne vorher alle Aspekte zu prüfen. Nach den Gesetzen ist am Sabbat Ruhe zu halten. Doch wie Jesus schon an diesem Tag im Tempel erklärte, müssen auch Gesetze ausgelegt und alle Gesetze gleich berücksichtigt werden. Es wäre unverantwortlich gewesen, einen Menschen nicht zu heilen und sterben zu lassen (Du sollst nicht töten). Auch heute basiert unser Rechtsystem darauf, dass nicht verurteilt wird, ohne vorher alle Aspekte zu untersuchen.
Lasst uns also im Alltag nicht von anderen, welche uns unterschätzen, einschüchtern oder gar einschränken. Prüfen und wägen wir stattdessen ab, ehe wir selbst über Recht oder Unrecht, wahr oder unwahr urteilen. Nur so können wir über uns selbst sagen, dass wir gerecht handeln.
Max Bretschneider, Halle (Saale)
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.