Wenn ich diese Verse lese, merke ich, wie sehr sie mein Bild vom Glauben herausfordern. Oft denke ich bei ‚Glaube‘ zuerst an Überzeugung. Johannes geht einen Schritt weiter. ‚Glaube‘ ist nicht nur etwas, das ich habe – er verändert, wer ich bin und woher ich komme. Ich gehöre zu Gott.
Aus dieser Zugehörigkeit wächst Liebe. Johannes macht deutlich: „Wer Gott liebt, liebt auch die Menschen, die zu ihm gehören.“ Und genau da wird es für mich konkret – und manchmal auch unbequem. ‚Lieben‘ klingt schön, ist aber im Alltag oft anstrengend. Es bedeutet, geduldig zu sein, obwohl ich müde bin. Zuhören, obwohl ich lieber recht hätte. Vergeben, obwohl es wehtut. Liebe ist kein Gefühl, das immer von selbst da ist, sondern eine Haltung, für die ich mich entscheide.
Gleichzeitig tröstet mich, was Johannes über Gottes Gebote sagt: „Sie sind keine Last.“ So oft fühlt sich das Leben schon schwer genug an: voller Erwartungen, Selbstzweifel und Vergleichen. Gottes Liebe legt mir keinen zusätzlichen Druck auf. Im Gegenteil: Sie will mich frei machen. Wenn ich aus Liebe handle und nicht aus Angst oder Zwang, verändert sich mein Blick auf mich selbst und auf andere. Dann geht es nicht mehr darum, perfekt zu sein, sondern verbunden zu bleiben – mit Gott und mit den Menschen um mich herum.
Besonders stark finde ich den Gedanken, dass der Glaube die Welt überwindet. Die ‚Welt‘ meint für mich all das, was mir einreden will, ich sei nicht genug, nicht erfolgreich genug, nicht liebenswert genug. Mein Glaube erinnert mich daran, dass Gottes Liebe größer ist als diese Stimmen. Ich muss mich nicht beweisen, um geliebt zu werden. Ich darf aus dieser Liebe leben – und sie weitergeben.
Liebe wird so zum Zeichen meines Glaubens. Nicht laut, nicht spektakulär, aber ehrlich. Und vielleicht beginnt genau darin die Überwindung der Welt: in kleinen Schritten der Liebe, jeden Tag neu.
Annika Mothes, Mittweida
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.