SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

Andacht des Tages

Montag, 03. August, Johannes 7,40-52

Zwischen den Stimmen

Der Text, der uns heute begleitet, spielt mitten in einer hitzigen Diskussion. Jesus steht im Raum und mit ihm ganz viele Meinungen:

Einige sagen: Er ist wirklich der Prophet, den Mose ihnen angekündigt hat.
Andere sagen: Nein, er ist der Christus, der von Gott gesandte Retter.

Eine dritte Gruppe meint: Das kann doch nicht sein! Er kommt doch aus Galiläa und in der Heiligen Schrift heißt es doch, Christus soll von David abstammen. Er soll doch wie David aus Bethlehem kommen!

Schließlich beauftragten die Pharisäer und Priester die Tempelwachen, Jesus festzunehmen. Doch niemand wagte es, denn alle waren von seinen Worten beeindruckt. Das erzürnte die Pharisäer und Priester, nur Nikodemus nicht. Er, selbst ein Pharisäer, erinnerte daran, dass man niemanden festnehmen darf, ohne dass seine Schuld nachgewiesen ist. Dennoch hielten die anderen weiterhin starr an ihrer Meinung fest, dass kein Prophet aus Galiläa kommen könne.

Was für ein mutiger Typ, oder?

Nikodemus hätte sich in der Sicherheit seiner Leute verstecken können. Er hätte sich der Gruppe anschließen können, um keine Risiken einzugehen. Aber er tut es nicht. Er bleibt nicht in der eigenen Blase aus Vorurteilen und starrer Meinung hängen. Er denkt über das Gesetz und die Gerechtigkeit nach und öffnet sich gleichzeitig für Jesus, obwohl alle anderen skeptisch oder ablehnend sind.

Diese Bibelstelle und besonders die Geschichte von Nikodemus zeigen mir, wie leicht man, wie die Pharisäer, in den eigenen Gedanken stecken bleiben kann. Auch ich merke, dass ich manchmal denke, schon viel über den Glauben zu wissen und mich vor allem auf mich selbst verlassen zu können. Doch so kann mein Glaube nicht wirklich wachsen.

Ich brauche Menschen, die im Glauben erfahren sind, die mir neue Perspektiven eröffnen und an denen ich wachsen kann. Denn Glaube entsteht nicht allein, sondern im Miteinander und im gemeinsamen Unterwegssein.

Zwischen all den Stimmen in dieser Geschichte fällt mir auch auf, wie ruhig Gott handelt. Jesus drängt sich nicht laut in die Diskussion, er überredet niemanden mit starken Argumenten. Auch Nikodemus tritt nicht als großer Redner auf, sondern stellt eine einfache, ehrliche Frage – eine Frage nach Gerechtigkeit.

Nikodemus wirkt so, auf mich nicht wie jemand, der schon alles verstanden hat. Er ist unterwegs, offen für mehr als die festgefahrenen Meinungen seiner Umgebung. Genau das macht ihn für mich glaubwürdig.

Vielleicht kennen wir solche Situationen auch heute: viele Meinungen stehen im Raum, die Mehrheit scheint sich entschieden zu haben. Es wäre leicht zu schweigen oder mitzunicken. Doch gerade dann müssen wir uns fragen, welche Stimme wir wirklich hören wollen.

Für mich zeigt diese Geschichte: Glauben heißt nicht, immer klare Antworten zu haben. Glauben heißt, Fragen auszuhalten, offen zu bleiben für Neues und für Gottes Wirken.

Ich wünsche mir, etwas von diesem Mut des Nikodemus zu bewahren: den Mut, nicht alles wissen zu müssen, gerecht zu bleiben und offen zu sein für das, was Gott mir zeigen will – besonders dann, wenn ich zwischen den Stimmen stehe.

Vielleicht ist genau das die Einladung für uns heute: zwischen all den Stimmen nicht fertig sein zu müssen, sondern Gott zuzutrauen, dass er uns Schritt für Schritt weiterführt.

Simon Günther, FSJ Förderverein Evjumab

Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.