Eine Geschichte, in der die Gnade Gottes sichtbar wird. Jesus kommt zu dem Mann, der sich seit so einer langen Zeit nicht mehr bewegen kann. Ein paar Verse zuvor heißt es, er liegt dort schon seit 38 Jahren. Für den Mann bedeutet das 38 Jahre lang warten, 38 Jahre Stillstand. Stillstand, den der Mann die ganze Zeit auf der gleichen Matte verbringt.
Auch als Jesus den Mann auffordert aufzustehen, soll er auch die Matte mitnehmen. Mein erster Gedanke dazu war: Ja klar, total logisch. Ich lasse ja auch nicht einfach so meine Sachen rumliegen.
Aber gleich danach habe ich mich gefragt: Wöllte ich wirklich wieder auf dieser Matte liegen, die mich schon so lange, in einer unschönen Zeit begleitet hat?
Wahrscheinlich würde ich sie einfach ausmisten, um einen Neuanfang zu starten und um einen klaren Cut zu der vergangenen Zeit zu machen.
Aber was, wenn ich es nicht einfach so ablegen kann? Vielleicht ist es kein Gegenstand, wie die Matte, die mich schon seit Jahren begleitet. Stattdessen ist es vielleicht eine Angst, eine Verletzung, die ich erfahren habe oder eine Gewohnheit, die ich nicht mehr mit mir herumtragen möchte. Aber einfach so liegen lassen und aus dem Leben streichen? – Klappt in der Regel nicht.
Aber Jesus sagt ja auch nicht: Lass sie liegen. Nein, ich nehme die Matte in die Hand. Die Matte ist kein Zeichen mehr für meine Einschränkung. Sie hat keine Kontrolle mehr über mich. Sie begleitet mich zwar immer noch auf meinem Weg, mit dem Unterschied, dass ich selbst nun die Kontrolle darüber habe. Bei dieser Heilung hört mein Leben nicht auf – dies ist erst der Anfang.
Die Gnade, die ich durch die Heilung erfahre, lässt mich aktiv werden. Ich darf nun mit Selbstvertrauen und Mut in die Welt gehen. Das eigene Losgehen und die Matte nimmt uns Jesus nicht ab, aber er gibt uns dafür den nötigen Anstoß, den Mut und die Freiheit, die wir dafür brauchen für unser Leben und unsere „Matte“ Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht gibt es in deinem Leben auch so eine Matte: eine Erinnerung, eine Verletzung, eine Angst, eine Gewohnheit. Etwas, das dich lange festgehalten hat oder immer noch festhält. Die Geschichte zeigt mir: Gottes Gnade bedeutet nicht, dass alles Vergangene verschwindet. Es bedeutet, dass ich die Macht darüber erlange.
Jesus spricht auch zu dir: „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ Du darfst mit deiner Geschichte weitergehen.
Bei welcher „Matte“ in deinem Leben brauchst du gerade einen Anstoß von Jesus, um sie selbst in die Hand zu nehmen?
Deborah Holzapfel, Reutlingen
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.