Kennst du die Momente in deinem Leben, in welchen die Dinge anders kommen, als du sie vorgstellt hast? Ein Plot-Twist in einem spannenden Netflix-Film, ein unerwartetes Ergebnis in einem Fußballspiel oder ganz banal: andere Erwartungen und Vorstellungen in Bezug auf Menschen, die dich überraschen. Da verlaufen die Dinge auch oft anders. Denn mein Gegenüber ist auch ein Mensch mit eigener Geschichte, Charakter und Prägung. Immer anders als bei mir selbst und somit auch hin und wieder überraschend. Wenn ich nur auf meine eigenen Vorstellungen und Erfahrungen sowie Erwartungen schaue/vertraue und diese nicht ins Gespräch bringe und zulasse, dass sie um einen weiteren Blick ergänzt werden, erlebe ich diese Überraschungen vielleicht auch oftmals als Enttäuschungen. Und doch kann das Anders auch eine Chance sein, Vorannahmen zu überwinden, meinen Blick zu weiten und das Leben mit neuen Augen zu sehen. „Gewöhn’ dich an anders“, sagt in der Angel Studio Serie THE CHOSEN, Jesus zu Simon (dem späteren Petrus), als dieser sich über dessen Entscheidung wundert den „unwürdigen“ Zöllner Matthäus als Jünger zu berufen. Die Zöllner waren unter den Juden verhasst und galten vorverurteilend als „Sünder“. Wobei Simon Petrus seine eigenen Erwartungen an die Bedingungen Jesu Nachfolger zu sein korrigiert und Jesus ihn mit genau diesem Satz ermutigt das Unerwartete zu akzeptieren: „Gewöhn’ dich an anders!“
Jesus. Auch er selbst ist anders in seinen Handlungen und als Person für seine damaligen Mitmenschen, die alles Mögliche an Vorstellungen und Erwartungen mit ihm verbanden. Für die Einen ein frommer Lehrer, der erhoffte Messias und Sohn Gottes und für die Anderen ein Betrüger und Gotteslästerer. Jesus sprengte dabei die Vorannahmen und Vorstellungen seiner Mitmenschen immer wieder.
In unserem heutigen Text spricht Jesus zu den Schriftgelehrten, also zu Menschen, die ihn als Sohn Gottes ablehnen. Auch sie haben feste Vorstellungen davon wie Gott und das Leben zu sein haben, denn sie haben die Bibel ausführlich studiert und in ihrer Vorstellungswelt ist es gotteslästerlich und somit unmöglich, dass Gott selbst in Jesus Mensch wird und seinen Geschöpfen als Mitmensch auf Augenhöhe begegnet. Allein schon, dass Jesus als „Gottessohn“ von diesem scheinbar fernen und unnahbaren Gott als „seinen Vater“ spricht ist für diese Menschen nur schwer auszuhalten. Sie lassen sich nicht darauf ein Annahmen und Überzeugungen zu überwinden und für diese Gottesbegegnung der anderen Art offen zu sein.
Lass ich mich darauf ein? Lass ich mich darauf ein, dass Gott anders auch in meinem Leben handelt, als ich es immer erwarten mag? Lass ich mich positiv davon überraschen und sehe es als Chance und nicht als Enttäuschung? Dass ich vielleicht doch nicht die Ausbildung oder das Studium mache, welche für mich lange infrage kam, sondern mich auf ein anderes Angebot und somit auf einen anderen Weg einlasse. Dass ich vielleicht doch nicht mit der Person zusammenkomme, für die ich lange geschwärmt habe, wo es am Ende doch nicht passt, dafür aber mit einer anderen Person. Lass ich es zu, dass Gott selbst mich immer wieder neu überrascht und Er mir in allen Überraschungen meines Lebens neu begegnen kann? In jeder unerwarteten Begegnung und in jeder unerwarteten Wendung, in jedem Plot-Twist meines Lebens darf ich neu erkennen wer Gott ist und wie er mein Leben und mein Blick darauf bereichern will.
Frederik Ehmke, Stuttgart-Bad Cannstatt
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.