SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

Andacht des Tages

Freitag, 14. August, Johannes 9,35-41

Sind wir denn auch blind?

Immer, wenn ich nur so halb Zugang zu einem Text finde, lese ich ihn in mehreren Übersetzungen und was andere Menschen darüber denken. Und wenn ich da nichts finde oder das auch nicht hilft, dann … lese ich ihn nochmal und markiere jedes Wort, jeden Satzteil, der mich anspricht. In diesem Text sind das: „Jesus hörte“ „ausgestoßen“ „Glaubst du?“ „Wer ist es?“ „Du hast ihn gesehen“ „Sind wir denn auch blind?“ Und damit arbeite ich weiter.

„Jesus hörte.“ Das heißt für mich, Jesus hört zu und handelt dann danach. Er kümmert sich, ist für alle da, die ihn brauchen und die sonst vielleicht keinen haben. Er kümmert ich um sie. Wenn Jesus von meinen Problemen hört, hilft er mir.
„Ausgestoßen“, ausgeschlossen zu sein, ist übel. Der geheilte Mann kannte das - als jemand mit einer chronischen Krankheit war er schon vor seiner Heilung ausgestoßen. Das ändert nichts daran, wie weh das tut.
„Glaubst du…?“ „Wer ist es?“ und „Du hast ihn gesehen“ Ich glaube an Jesus, an den Menschensohn, weil ich ihn erfahren habe, weil ich seine Spuren, seine Liebe gesehen, wahrgenommen und erlebt habe. Trotzdem möchte ich manchmal fragen, wer ist das? Denn Gott ist viel größer als mein Verstand, da wünsche ich mir auch so eine direkte Bestätigung, wie Jesus sie hier gibt.
Nochmal zu meiner Arbeitsweise zurück: Was ich an einem Text nicht verstehe, markiere ich mit Fragezeichen. „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.” Checkst du das? Ich nicht. Hä, was meint Jesus damit?
So cringe die Volxbibel manchmal auch ist, sie hat mich oft genug gerettet. „Die jetzt glauben, den Durchblick zu haben, werden dann nichts mehr verstehen, und die jetzt noch gar nichts blicken, werden alles plötzlich verstehen können.” Okay, ja, so verstehe ich schon mehr. Aber Fragen bleiben trotzdem offen. Was genau soll das heißen? War Jesus nicht Anti-Schwarz-Weiß-Denken? Warum hat Gott seinen Sohn geschickt, damit sich die Welt in zwei Lager spaltet? Und lasse ich mich so leicht in eine Kategorie einordnen? Gehöre ich zu den Blinden oder zu den Sehenden?
„Sind wir denn auch blind?“ Das fragen auch die Pharisäer. Ich lese da aber nicht raus, dass sie sich für etwas Besseres halten und voll den Durchblick haben. Schließlich fragen sie ja auch. Was Jesus hier meinen könnte: Sich nicht sicher sein, ist keine Schwäche. Wie müssen gar nicht so tun als ob. Einen Bibeltext nicht zu checken, macht einen nicht dumm. Irgendwann werden wir verstehen und zwischendurch sagt Jesus uns vielleicht auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen nur hinhören. Jesus hörte, aber höre auch ich?

Katrin Lüdeke

Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.