Es ist schon eine Weile her, als ich das letzte Mal eine Leistungskontrolle in der Schule über mich ergehen lassen musste. Aber ich kann mich noch gut an Momente erinnern, in denen ich ganz knapp an der besseren Note vorbeigeschrammt bin. Jetzt hieß es, nochmal ganz genau die vom Lehrer vergebenen Punkte unter die Lupe zu nehmen. Möglicherweise hatte er oder sie ja einen Punkt übersehen, durch dessen Entdeckung ich noch die bessere Note bekomme. Schließlich waren und sind Lehrer ja auch nur Menschen, denen mal ein Fehler oder Punkt durch die Lappen gehen kann.
Viel tragischer als ein übersehener Punkt in der Leistungskontrolle, ist es allerdings, wenn DU dich im Alltag übersehen fühlst. Wenn du den Eindruck hast: „Mich nimmt keiner wahr. Für mich interessiert sich doch niemand. Niemand kennt meine Traurigkeit.“ Und dann lesen wir diesen wunderbaren Psalm Davids: „HERR, du erforschst mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken schon von ferne.“ (Ps 139, 1+2) Unser Gott ist trotz seiner unermesslichen Größe, einer, der selbst dein Hinsetzen und Aufstehen bemerkt. Wir selbst wissen nicht einmal, wie oft wir an einem Tag gesessen oder gestanden haben. Ja, diese Information scheint uns so unbedeutend, dass wir sie nicht mal mit den besten Freunden teilen. Gott weiß es dennoch. Er nimmt dich wahr. Er kennt dich. Er sieht deine fröhlichen und auch deine traurigen Gedanken. Du bist IHM nicht fremd. Er ist dir näher als dein Kissen, in das du weinst. Näher als dein Smartphone, mit dem du dich ablenkst. Ja, näher als dein Spiegel, der dich unzufrieden zurücklässt. Das ist ein tröstliches Wort für alle, die sich allzu oft im Alltag ungesehen, unverstanden und ungeliebt fühlen. David weiß um die unglaubliche Nähe Gottes in seinem Leben: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Vers 5) Aber in diesen Versen steckt auch etwas vermeintlich Unangenehmes: Gott sieht auch deine dunklen Seiten und deine Fehler. Vor IHM kann sich niemand verstecken. „Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?“ (Vers 7) Er weiß, was du dir auf deinem Smartphone anschaust. Was du tust, wenn du dein Zimmer abgeschlossen hast. Er kennt deine negativen Gedanken und hört die Worte, mit denen du andere verletzt. Keine unserer Sünden bleibt ihm verborgen, er kennt sie alle. So gern würde er sie dir abnehmen, weil Jesus für jede einzelne von ihnen am Kreuz gestorben ist. Und doch versuchen wir, unsere Schuld in den untersten Winkeln unserer Seele zu verstecken. Wir hoffen, dass Gras darüber wächst. Ja, wir hoffen, dass wir sie selbst einfach nur vergessen. Doch Gott sieht hinter unser Vergessen, unter das Gras, mitten hinein in die untersten Ecken der Seele.
Dieser Psalm macht deutlich, dass es keinen Sinn hat, mit seinen Fehlern und Dunkelheiten davonzulaufen. Jesus fordert uns auf: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11, 28) Er wünscht sich, dass wir aufhören, mit unserer Schuld davonzulaufen, weil das sowieso nicht gelingen wird. Wir dürfen alles, was unser Leben runterzieht, bei seinem Kreuz abladen.
„Danke HERR, dass du mich niemals übersiehst. Bitte vergib mir die Dinge, die mich von dir wegziehen. Ich will sie dir jetzt nennen: ...“
Lars Böttcher, Gornau, EvJuMab
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.