Vor kurzem erhielt ich einen Anruf von einer Freundin, die ohne Vorstellung gleich los sprudelte .... . Ich wusste aber sofort, wen ich da am Telefon hatte. Nach all der Zeit, die wir uns schon kennen, ist mir ihre Stimme in allen möglichen emotionalen Zuständen zutiefst vertraut. Die Zeit hat das Verstehen immer besser gemacht. Und manchmal müssen wir uns gar nicht sehen, um einander zu trösten, zu ermutigen ... es reicht oft schon, die Stimme der anderen zu hören.
Daran musste ich denken, als ich diese Jesusworte im Johannesevangelium las: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir“. Schafe sind schlaue Tiere. Sie kennen die Stimme ihres Hirten sehr gut. Ruft ein anderer Mensch, bleiben sie unberührt, distanziert. Sie haben ihr ganzes Leben mit diesem Hirten verbracht und wissen ganz genau, zu wem sie gehören und wer es gut mit ihnen meint. Selbst in dunkelsten Nächten können sie sich an seiner Stimme orientieren und beruhigen.
Dieses Bild nutzt Jesus um seinen Zuhörer:innen deutlich zu machen: ihr werdet mich nur wirklich (er)kennen, wenn ihr viel Zeit mit mir verbringt und bei mir bleibt. Wenn ihr persönlich erlebt, wer ich für euch bin. Allein vom „Wunder-Watching“ oder vom Zuhören was andere erlebt haben, werdet ihr meine Stimme und das, was mir wichtig ist, nie wirklich kennen(lernen). Und genau das ist das Problem, das Jesus bei seinen jüdischen Genossen bemängelt. Sie haben schon so viel von Jesus gehört, gesehen, gelesen - aber glauben können sie nicht. Weil sie unbeteiligte Zuschauer geblieben sind. Weil er ihnen trotz allem fremd geblieben ist. Weil sie die Nuancen seiner Stimme nicht kennen. Das, was es braucht, ist die direkte Begegnung, Auseinandersetzung und Beziehung mit Jesus. Dann kann sein Wort, sein Rufen, im Leben auch berühren, führen, stärken, ermutigen, Vertrauen wecken ...
Ehrlich gesagt, fällt es mir im Alltag manchmal schwer, seine Stimme zu hören. Da brüllt so viel auf mich ein: Medien, mein Handy, die Ansichten von den Menschen um mich herum ... Beruhigend oder besonders hilfreich ist das oft nicht. Und manchmal frage ich mich, ob ich den richtigen Ansichten (Stimmen) hinterherlaufe ... Darum: Jesus lädt Dich und mich heute neu ein, nah bei ihm zu bleiben und vertrauensvoll auf seine Stimme zu hören ... in seinem Wort, in einem Lied, im Zuspruch eines anderen Menschen ... . Weil er uns wirklich versteht/kennt und weiß, was wir brauchen. Weil er Zukunft schafft. Weil er hält, was er verspricht. Weil er der Beste ist! Welcher Stimme folgst Du?
Ellen Widmer, Marbach am Neckar
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.