Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach schrieb einst: „Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen, und die ist erbärmlich.“ Auch Johannes schreibt in seinem Brief über Nächstenliebe an die „die auserwählte Herrin und ihre Kinder“, was sich wahrscheinlich auf eine örtliche Gemeinde bezieht und deren Mitgliedern. Er begrüßt sie zu Beginn seines Briefes mit den Worten „die ich liebe in (der) Wahrheit“. Ist nicht Jesus auch die Wahrheit? Johannes verbindet Wahrheit und Liebe untrennbar. Wahre Liebe ist in der Wahrheit Gottes verwurzelt.
Johannes freut sich über Mitglieder dieser Gemeinde, denen er womöglich begegnet ist, und schreibt darüber, dass sie in der Wahrheit wandeln. Das bedeutet, dass sie in einer Weise leben wie Gott es gefällt und dass sie auch danach handeln. Krass, oder? Kannst du behaupten dass du ein Leben führst, was Gott gefällt? Würden auch andere das über dein Leben sagen? Ich weiß nicht wie es dir geht, ich habe mir früher oft den Druck gemacht, mich ganz genau an die Gebote zu halten. Ich merkte jedoch schnell: das schaffe ich doch eh nie, sie alle zu halten. Aber das sollte nicht der Fokus sein bei dem wir hängen bleiben. Diese Gebote sind nicht dazu gedacht uns einzuschränken, sondern uns zu einem erfüllten Leben in Gemeinschaft mit Gott und meinen Mitmenschen zu führen (s. Rö 13,8-10).
Wir sind Menschen, die Fehler machen, die schlechte Gedanken über andere haben, wie z.B. Arbeitskollegen oder dem langsamen Autofahrer vor uns, wegen dem wir wohl zu spät kommen. Wir denken immer zuerst an uns selbst. Uns fällt es leichter, schlecht über unsere Schulkollegen oder Nachbarn zu reden, als ihnen von Gott zu erzählen. Wir lügen in Notsituationen und vielleicht hast du schon einmal etwas geklaut oder konntest die Entscheidung deiner Eltern nicht immer verstehen und sie für gut befinden. Wir sind kurz gesagt Menschen, Menschen mit Fehlern. Und Gott weiß das sehr gut. Er liebt uns trotzdem. Seine Liebe ist so unermesslich groß. Wir können uns davon erfüllen lassen und auch mit ihr andere lieben – nicht nur unsere Partner, Familien und Freunde, sonder auch unsere Nächsten und somit auf Gott hinweisen (s. Jo 13,34-35).
Davon schreibt auch Johannes. Er zeigt auf, dass Nächstenliebe kein neues Konzept ist, sondern ein Gebot, das von Anfang an existierte und das Fundament des Glaubens bildet. Er fordert die Gemeinde, und damit auch uns auf, einen Unterschied in der Welt zu machen: Fang an deine Mitmenschen wahrzunehmen, wirklich bewusst zu sehen. Begegne ihnen mit Verständnis, einem freundlichen Wort, zeig ihnen Gottes Liebe. Versuche doch mal Menschen die dir entgegenkommen anzulächeln. Sei freundlich zu deinen Arbeitskollegen. Hab ein offenes Ohr für Menschen, denen es nicht gut geht. Sei gnädig und barmherzig zu den Menschen, die an dir schuldig geworden sind. Es gibt wirklich unglaublich viele Wege, wie du dieses Gebot ganz praktisch umsetzten kannst – die Bibel ist da auch voller Ideen.
Das Zitat von Ebner-Eschenbach anfangs, betont den Reichtum und die Fülle, die durch selbstlose Liebe entsteht und dass wahre Lebensqualität in der Gemeinschaft und im Dienst am Nächsten gefunden werden kann. Man lebt „mit tausend Seelen“ weil man sich mit anderen verbindet und ihr Wohlergehen teilt. Ein Leben in Nächstenliebe ist ein reiches, erfülltes und gottgefälliges Leben, während ein egoistisches Leben unbefriedigend bleibt.
Ich möchte dich herausfordern: Wer ist dein „Nächster“? Nimm dir konkret eine Person aus deinem Umfeld, bei der es dir schwerfällt sie zu mögen und anzunehmen und bete für diese Person 2 Wochen lang. Versuche in der Zeit ihr freundlich und liebevoll zu begegnen, gehe Schritte auf sie zu und versuche sie mit Gottes Augen zu sehen. Mach dir klar, dass Gott diese Person genauso lieb hat wie dich.
Tabita Fink, Kirchberg
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.