SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

sommerandachten 2026

Sonntag, 26. Juli, Psalm 48

Gott anbeten?!

Kennst du das alte Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig“? Auch wenn es musikalisch alt und vielleicht nicht unbedingt ansprechend wirkt, hat es einen sehr schönen Text. (Wenn du, wie ich, eher modernen Lobpreis magst, kann ich die Version von Zweioderdrei auf YouTube empfehlen, sie haben einen schönen Remix aus „Gott ist gegenwärtig“ und „In unsrer Mitte“ geschaffen.) Aber was hat der Text von Gott ist gegenwärtig mit dem Psalm 48 zu tun?

Was stark im Zentrum des gesamten Psalms steht, ist der Berg Zion (z.B. in Versen 2, 3 oder 12). Dieser war zur Zeit der Psalmen ein Symbol für die Stadt Jerusalem und der Ort, an dem sich der Tempel und die Bundeslade befanden. Die Bundeslade war eine (sehr edle) Truhe, in der sich die zehn Gebote befanden. Sie stand für die Gegenwart Gottes und wurde z.B. bei wichtigen Schlachten mitgenommen, als Zeichen, dass Gott bei den Israeliten ist. Der Tempel war der Ort, an dem sich viele Juden versammelten, da er der Ort war, an dem man Gott anbeten konnte; der Ort, an dem er präsent war.

Für uns ist das heute nicht mehr so. Gottes Gegenwart beschränkt sich nicht mehr auf einen Ort, und wir müssen nicht mehr in einen bestimmten Tempel gehen, um ihm zu begegnen. Wieso? Weil der Heilige Geist auf der Erde lebt und in allen Menschen, die ihn einladen. Somit können wir Gottes Gegenwart überall erfahren und überall mit ihm reden: in der Schule, auf der Arbeit, im Auto und auch zu Hause. Deshalb ist er überall gegenwärtig, so wie es das Kirchenlied auch ausdrückt.

Warum sollte ich das aber jetzt tun, Gott anbeten, wie es in Vers 14 steht und die Israeliten es früher im Tempel gemacht haben? Und was heißt das überhaupt? Laut Google ist Anbetung „die tiefste Form der Gottesverehrung, die Ehrfurcht, Liebe und Hingabe an Gott ausdrückt“ und bei der „eine Herz-zu-Herz-Beziehung mit Gott“ im Mittelpunkt steht. Gott ist dein Schöpfer. Er hat sich sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie er dich haben möchte und dich nach seiner Vorstellung kunstvoll designt. Er hat einen bestimmten Plan für dein Leben und beschenkt dich mit Leben und vielen anderen Dingen. Allein dafür hat er unseren Dank und unseren Respekt verdient. Aber nicht nur das: Er wünscht sich eine tiefe Beziehung zu dir. Er möchte wissen, wie es dir geht und was dich beschäftigt. Das ist so krass. Der unfassbar starke Erschaffer der Welt kennt dich nicht nur, sondern möchte mit dir leben und an jeder kleinen Sache teilhaben. Eine würdige Reaktion darauf ist die Anbetung, also dass wir Gott unsere Liebe und unser Vertrauen anbieten.

Anbetung kann aktiv unterschiedlich aussehen. Es können Lobpreislieder sein, ein Gebet oder auch einfach Stille. Ich ermutige dich dazu, dich heute einfach mal hinzusetzen und Gott anzubeten. Du kannst dir z.B. Psalm 48 raussuchen, ihn Gott vorlesen und sagen „Ich glaube, dass du groß bist, wie es hier steht“. Du kannst aber auch einfach nichts sagen, die Augen schließen und dir bewusst sein, dass Gott gerade da ist. Es gibt nicht einen richtigen Weg Gott anzubeten, also mach es so, wie du dich wohlfühlst. Aber ich ermutige dich, es mal auszuprobieren. Denn Zeit bei Gott ist etwas sehr Kostbares: Gott freut sich sehr darüber und es tut uns auch sehr gut. Probier´s doch gerne mal aus; nur du und Gott, Herz-zu-Herz.

Cathleen Ahner, Schönbrunn,
Evangelische Jugend Marienberg


Samstag, 25. Juli, Johannes 6,22-27

Mehr als nur satt

In Johannes 6 lesen wir davon, dass Jesus mehr als 5000 Menschen satt gemacht hat. Die Menschen waren begeistert. Sie hatten etwas erlebt, das sie so noch nie gesehen hatten. Kein Wunder also, dass sie sich auf die Suche nach Jesus machten. Sie wollten mehr von ihm hören, mehr erleben, vielleicht sogar noch mehr Wunder sehen.

Ganz ehrlich: Mir wäre es damals wahrscheinlich genauso gegangen. Ich hätte Jesus auch gesucht. Ich hätte wissen wollen, was er als Nächstes tut oder gehofft, noch einmal so etwas Besonderes zu erleben.

Kennt ihr das, wenn man von einer berühmten Person begeistert ist? Man folgt ihr auf Social Media, schaut jedes neue Video und wartet gespannt, was als Nächstes kommt. Man fühlt sich irgendwie verbunden – obwohl man die Person eigentlich gar nicht persönlich kennt.

So ähnlich war es auch bei den Menschen damals mit Jesus. Sie fanden ihn beeindruckend. Aber Jesus merkt: Sie suchen ihn nicht nur, weil sie ihm vertrauen wollen, sondern vor allem wegen dem Brot, wegen dem Wunder. Und genau das spricht er offen an.

Jesus macht deutlich: Es geht nicht nur um das, was ich tue. Es geht um das, wofür ihr euch entscheidet.

Der Mensch braucht mehr als nur Brot zum Leben.

Damit meint Jesus: Es reicht nicht, äußerlich satt zu sein. Es reicht nicht, wenn alles nach außen hin gut aussieht. Der Mensch braucht Gott. Er braucht Sinn, Hoffnung und eine Beziehung die trägt.

Wenn ich auf mein eigenes Leben schaue, merke ich: Das gilt auch heute noch. Unsere Welt ist voll von Ab-
lenkungen. Es gibt so vieles, das unsere Aufmerksamkeit will und uns für einen Moment füllt – und trotzdem bleibt manchmal dieses Gefühl von Leere.

Ich bin im kirchlichen Setting aufgewachsen. Ich habe viele Stationen durchlaufen: Sonntagsschule, kirchlicher Unterricht, Einsegnung und Jugendstunden. Ich habe viel über Gott gehört und erfahren. Doch irgendwann habe ich gemerkt: Wissen über Gott ist nicht dasselbe, wie Gott wirklich im eigenen Leben zu haben.

Der Moment, in dem ich Jesus bewusst in mein Leben gelassen habe, war nach meiner Einsegnung, als ich bei dem Musical „Das lebendige Buch“ mitgespielt habe. In diesem Musical geht es um vier Teenager, die durch biblische Geschichten reisen. Und irgendwo auf dieser Reise wurde mir klar: Jetzt geht es um meine eigene Entscheidung. Nicht darum, was ich schon alles gehört habe, sondern darum, ob ich Gott wirklich Raum in meinem Leben gebe.

Jesus lädt auch uns dazu ein. Nicht nur, seine Taten zu bewundern. Sondern ihm zu vertrauen. Nicht nur zuzuschauen. Sondern ihn ins eigene Leben zu lassen.

Abschlussimpuls

Vielleicht ist dieser Sommer eine Gelegenheit, langsamer zu werden.
Weniger Ablenkung, weniger Lärm.
Und vielleicht ist es eine gute Zeit, dich neu zu fragen:
Wovon lasse ich mich eigentlich füllen?
Jesus lädt nicht nur dazu ein, satt zu werden – sondern ihm zu vertrauen und ihn ins eigene Leben zu lassen.

Gebet
Gott,
danke für Zeiten, in denen wir zur Ruhe kommen dürfen.
Hilf uns, in all dem, was uns füllt,
dich nicht aus dem Blick zu verlieren.
Sei du das, was unserem Leben Tiefe gibt.
Amen

Ivy Marie, EmK Wuppertal- Elberfeld


Freitag, 24. Juli, Johannes 6,16-21

Jesus geht über das Wasser

Ein langer Tag geht zu Ende. Erst versammelten sich eine riesige Menschenmasse rund um Jesus. Dann sollen alle noch etwas zu essen bekommen und bekommen es auch – aus 5 Broten und 2 Fischen! Ist das nicht im wahrsten Sinn des Wortes wundervoll? Nicht nur die Bäuche, sondern auch die Köpfe sind voll. Jetzt endlich mal eine Auszeit! Raus auf den See, zur anderen Uferseite. Jesus kommt dann nach.

Plötzlich geschieht etwas, womit keiner so richtig gerechnet hat. Die Jünger umgibt eine Situation völliger Ohnmacht. Sie sind auf einem Kilometerbreiten See und werden von einem Sturm gepackt. Einfaches Rudern bringt sie da nicht heraus. Und wo ist jetzt nochmal Jesus geblieben?! Ohnmacht. Da ist sie! Das Gefühl existenzieller Not. Wie schnell Blicke ich auf diese Geschichte mit den Gedanken „haben sie kein Vertrauen auf Jesus?“ … Aber ist ihr Verhalten nicht total menschlich? Kann ich die Jünger überhaupt verurteilen Angst zu haben, da ich den Ausgang der Geschichte doch kenne? Vielleicht kennst du das ja. Man fühlt sich gefangen in einer Situation, ohne Aussicht auf Befreiung. Gefangen in Strukturen des Alltags, der Arbeit, familiärer Verhältnisse, Beziehungen …

Den Jüngern jedenfalls geschieht etwas unfassbares. Da kommt etwas auf dem Wasser zu ihnen. Sie wissen nicht recht damit umzugehen und fürchten sich. Fürchten sich vor Entsetzen oder auch dem Gefühl etwas oder irgendwem gegenüberzustehen das größer ist als sie. In einer Situation, wo sie umfängliche Gott-Verlassenheit spürten, kommt nun Jesus zu ihnen und spricht: „Ich bin’s, fürchtet euch nicht!“ (Joh 6,20). Worte voller Kraft umkreisen nun die Jünger. Atemberaubende Wunder haben sie den Tag über erlebt, aber selbst daran zu glauben, dass sie ein Teil davon sein könnten, gelingt ihnen erst da Jesus ihnen persönlich auf dem Wasser gegenübersteht. Geht es mir nicht ähnlich wie den Jüngern? Manchmal ist es nur wenige Tage, gar Stunden her, da ich die Größe und Stärke Gottes erfahren habe, mich aber der Wind wieder ins Wanken bringt, als hätte ich Gott noch nicht erkannt.

Schimpfe ich im Angesicht dieser Geschichte nicht auch manchmal auf Gott? Prangere ich ihn an, mir nicht geholfen zu haben, wo ich es gebraucht hätte, wo ich gebetet und gefleht habe, dass er mir doch zur Hilfe kommt? Ist es fair? Wo erlebe ich Leid und Trauer, wo andere einen Weg aus der Not finden durften, wie auch die Jünger? Kennst du das? … Dich konfrontieren Situationen, wo du im Nachgang nicht recht weißt, ob Gott in all dem wirklich da war und dir zur Seite stand? Aber ist es nicht gerade da, wo wir an Gott verzweifeln, dass seine oder auch ihre Größe und Kraft am stärksten in mir und in dir werden? Da wo ich versage, wo meine Kraft nicht reicht, und die Umstände größer zu werden scheinen als Gott selbst – ist es da nicht die vollkommenste aller Begegnungen, die ich mit Gott haben kann?

Wie tröstend kann diese Geschichte da sein - wie sensibel das Wirken Gottes gezeichnet werden? Nicht verurteilend, nicht herabwürdigend, sondern gerade so, wie ich es ertragen kann. Wie unbedeutend erscheinen die Umstände, da die helfende und tröstende Hand Gottes uns entgegengestreckt wird, sodass wir, als wäre nichts gewesen, wieder in sicherem Hafen landen können.

Mögen die Stürme toben, und auch wenn der Herr selbst sich uns offenbart, ist seine Größe im Angesicht seiner eigenen Schöpfung - wir Menschen, als auch der Sturm und das Meer selbst – unermesslich und uns doch so nah und bergend, dass alle Blicke auf ihn gerichtet sind, und das Toben der Welt für einen Moment nicht mehr wichtig ist.

Franz Rochlitzer, Moritzburg  


Donnerstag, 23. Juli, Johannes 6,1-15

Das Wunder, das satt macht

Christival 2016 in Karlsruhe – alles ist breit. Die Picknickdecken liegen hinterm Schloss ausgelegt bereit. Die ersten Gastgeber werden zu ihren Picknickdecken gewiesen und immer mehr Menschen strömen in den Schlossgarten, nehmen Platz und kommen ins Gespräch. Die Veranstalter sind aufgeregt und fragen sich: Wie viele Gäste - Christivaler und Karlsruher - werden wohl kommen? Sind es genügend Gastgeber? Ob das Essen wohl reicht? Oder gehen alle hungrig nach Hause?

So mag es auch den Jüngern gegangen sein, als sie mit Jesus und fünftausend Menschen am See von Tiberias saßen. Ihre Feststellung war: Es sind so viele Menschen, und wir haben nicht genügend Geld und Essen, damit alle satt werden. Was macht Jesus darauf? Leute, macht euch kein Stress, und er segnet das Essen – die fünf Brot und zwei Fische. Und es blieben 12 Körbe voll mit Essensresten übrig.

In Karlsruhe waren über 14.000 Leute beim Picknick dabei - und alle wurden satt! Es blieb sogar noch ein kleiner Rest in unserer Tupperdose übrig. Über Gott und die Welt wurde gesprochen, gut gegessen und es wurden neue Bekanntschaften geschlossen.

So sitz ich heute allein im Park auf meiner Christivaldecke und denke über das Wunder nach. Mein Bauch knurrt. Ich öffne meine Tupperdose und frage mich: Macht mich das Essen satt? Stillt es meinen Hunger? Meinen Magen wahrscheinlich schon, doch ich merke, mein Herz und meine Seele rebellieren gerade noch viel mehr. Da ist ein Riss, eine Leere, eine Sehnsucht. Etwas unzufriedenes in mir. Wo sind meine Seele und mein Herz hungrig? Doch welcher Hunger ist es? Ist es der Hunger nach Liebe, Anerkennung oder Angenommensein? Oder doch eher das Heimatfinden, der Erfolg, die Ruhe, die Hoffnung oder der Frieden? Und wo ist meine Seele und mein Herz gerade zufrieden? Wo wurde der Hunger gestillt? Wo brauche ich das Wunder, dass mehr übrigbleibt, als ich eigentlich brauche? Denn Jesus verspricht doch Leben im Überfluss. Und ich bete:

Herr, stille du meinen Hunger. Stille meinen Hunger nach mehr. Stille den Hunger meiner Seele und meines Herzens, dass sie zur Ruhe kommen und Frieden in sich tragen. Lass meine Seele ankommen. Fülle du mein Herz und die Sehnsucht nach mehr mit deinem Geist. Amen.

Carina Kirschmer, KJW Süd in Stuttgart


Mittwoch, 22. Juli, Johannes 5,31-47

Anders als du erwartest – gottseidank

Kennst du die Momente in deinem Leben, in welchen die Dinge anders kommen, als du sie vorgstellt hast? Ein Plot-Twist in einem spannenden Netflix-Film, ein unerwartetes Ergebnis in einem Fußballspiel oder ganz banal: andere Erwartungen und Vorstellungen in Bezug auf Menschen, die dich überraschen. Da verlaufen die Dinge auch oft anders. Denn mein Gegenüber ist auch ein Mensch mit eigener Geschichte, Charakter und Prägung. Immer anders als bei mir selbst und somit auch hin und wieder überraschend. Wenn ich nur auf meine eigenen Vorstellungen und Erfahrungen sowie Erwartungen schaue/vertraue und diese nicht ins Gespräch bringe und zulasse, dass sie um einen weiteren Blick ergänzt werden, erlebe ich diese Überraschungen vielleicht auch oftmals als Enttäuschungen. Und doch kann das Anders auch eine Chance sein, Vorannahmen zu überwinden, meinen Blick zu weiten und das Leben mit neuen Augen zu sehen. „Gewöhn’ dich an anders“, sagt in der Angel Studio Serie THE CHOSEN, Jesus zu Simon (dem späteren Petrus), als dieser sich über dessen Entscheidung wundert den „unwürdigen“ Zöllner Matthäus als Jünger zu berufen. Die Zöllner waren unter den Juden verhasst und galten vorverurteilend als „Sünder“. Wobei Simon Petrus seine eigenen Erwartungen an die Bedingungen Jesu Nachfolger zu sein korrigiert und Jesus ihn mit genau diesem Satz ermutigt das Unerwartete zu akzeptieren: „Gewöhn’ dich an anders!“

Jesus. Auch er selbst ist anders in seinen Handlungen und als Person für seine damaligen Mitmenschen, die alles Mögliche an Vorstellungen und Erwartungen mit ihm verbanden. Für die Einen ein frommer Lehrer, der erhoffte Messias und Sohn Gottes und für die Anderen ein Betrüger und Gotteslästerer. Jesus sprengte dabei die Vorannahmen und Vorstellungen seiner Mitmenschen immer wieder.

In unserem heutigen Text spricht Jesus zu den Schriftgelehrten, also zu Menschen, die ihn als Sohn Gottes ablehnen. Auch sie haben feste Vorstellungen davon wie Gott und das Leben zu sein haben, denn sie haben die Bibel ausführlich studiert und in ihrer Vorstellungswelt ist es gotteslästerlich und somit unmöglich, dass Gott selbst in Jesus Mensch wird und seinen Geschöpfen als Mitmensch auf Augenhöhe begegnet. Allein schon, dass Jesus als „Gottessohn“ von diesem scheinbar fernen und unnahbaren Gott als „seinen Vater“ spricht ist für diese Menschen nur schwer auszuhalten. Sie lassen sich nicht darauf ein Annahmen und Überzeugungen zu überwinden und für diese Gottesbegegnung der anderen Art offen zu sein.

Lass ich mich darauf ein? Lass ich mich darauf ein, dass Gott anders auch in meinem Leben handelt, als ich es immer erwarten mag? Lass ich mich positiv davon überraschen und sehe es als Chance und nicht als Enttäuschung? Dass ich vielleicht doch nicht die Ausbildung oder das Studium mache, welche für mich lange infrage kam, sondern mich auf ein anderes Angebot und somit auf einen anderen Weg einlasse. Dass ich vielleicht doch nicht mit der Person zusammenkomme, für die ich lange geschwärmt habe, wo es am Ende doch nicht passt, dafür aber mit einer anderen Person. Lass ich es zu, dass Gott selbst mich immer wieder neu überrascht und Er mir in allen Überraschungen meines Lebens neu begegnen kann? In jeder unerwarteten Begegnung und in jeder unerwarteten Wendung, in jedem Plot-Twist meines Lebens darf ich neu erkennen wer Gott ist und wie er mein Leben und mein Blick darauf bereichern will.

Frederik Ehmke, Stuttgart-Bad Cannstatt


Dienstag, 21. Juli, Johannes 5,24-30

Was wirklich wichtig ist – Jetzt

(Lies gern das ganze Kapitel 5)
Jesus heilt einen Menschen und die Frommen empören sich. Nicht über das Leid, das beendet wurde, sondern über den Tag, an dem es beendet wurde. Der Sabbat ist ihnen wichtiger als das Leben. Ordnung wichtiger als Barmherzigkeit. Religion wichtiger als der Mensch.

Jesus macht unmissverständlich klar: Gott arbeitet. Immer. Auch am Sabbat. Und wer sich Gott in den Weg stellt, stellt sich dem Leben selbst entgegen.

Mitten in diesen Konflikt spricht Jesus die Worte aus Johannes 5,24–30. Keine fromme Lehrrede, kein Blick ins Jenseits. Sondern eine Diagnose unserer Gegenwart.

„Wer mein Wort hört und glaubt, hat das Leben.“
Nicht: wird es einmal haben. Nicht: irgendwann später. Jetzt.
Und wer dieses Leben nicht lebt, ist – bei allem religiösen Betrieb – tot.

Jesus spricht von Gericht. Aber dieses Gericht ist kein fernes Strafgericht. Es geschieht hier. Jetzt. Es besteht darin, dass offenbar wird, woran wir unser Herz hängen. An Gottes Willen – oder an unsere Systeme. An Beziehung – oder an Anerkennung. An Leben – oder an religiöse Sicherheit.

Die Frommen zur Zeit Jesu kannten die Schrift. Sie beriefen sich auf Mose. Aber genau dieser Mose wird ihnen zum Ankläger. Denn wer das Gesetz liebt, aber den Menschen übersieht, hat weder Mose noch Gott verstanden. Wissen ersetzt keine Beziehung. Frömmigkeit ersetzt keine Liebe.

Jesus nennt die Dinge beim Namen: Ihr sucht die Ehre voneinander, nicht die Ehre Gottes. Darum erkennt ihr das Leben nicht, obwohl es direkt vor euch steht.

Johannes 5 fragt uns nicht, was wir glauben.
Es fragt, wie wir leben.

Denn Leben beginnt dort, wo wir aufhören, uns hinter Religion zu verstecken.
Wo wir hinschauen, wo es weh tut.
Wo wir handeln, statt zu rechtfertigen.

Glaube ist nicht schön.
Glaube ist gut.
Und gut ist er nur dort, wo Leben im Jetzt Raum bekommt.

Kar Syuleymanov, Bockau


Montag, 20. Juli, Johannes 5,19-23

Im Auftrag des Vaters

Wer heute etwas auf sich hält, betont, dass er oder sie es ganz allein geschafft hat. Wer seinen Wert unter Beweis stellen möchte, erklärt, dass Geld, Ansehen, Erfolg oder Einfluss auf den eigenen Fleiß oder die eigene Genialität zurückzuführen sind. Der Grund für das, was man hat oder kann, liegt in uns selbst, oder?

Bei Jesus ist das anders. In wenigen Zeilen kommen ein grenzenloser Anspruch und bemerkenswerte Demut gleichzeitig zum Ausdruck: Jesus spricht von sich als dem Sohn Gottes und er kündigt an, noch weit Größeres zu tun, als einen Gelähmten zu heilen.
Nämlich Tote zu erwecken und über diese Welt zu richten. All das aber nur im Auftrag und in Verbindung mit Gott, dem Vater. Er handelt in Vollmacht. Das heißt im Wissen und im Auftrag Gottes. In seinem Namen kann er alles und traut sich so einiges. Auch wenn er sich damit gegen die Meinungsführer seiner Zeit stellt: Sein Verständnis vom rechten Sabbat-Halten bürstet die Pharisäer gegen den Strich; dass er von einer Erweckung der Toten redet, gefällt den Sadduzäern nicht. Für Jesus ist in erster Linie wichtig, einmütig mit Gott, seinem Vater, zu reden und zu handeln. Gott selbst verleiht ihm die Vollmacht, die Jesus so kraftvoll ausübt. In diesem Wissen kann sich Jesus auch mit den Mächtigen anlegen.

Aber Jesus weiß und spricht aus, dass er nichts von den Zeichen und Wundern die er tut, von sich aus tun kann. Er kann nur das in Vollmacht tun, was im Einklang mit dem Willen Gottes geschieht.

Etwas mehr von dieser Haltung würde mir guttun: Selbstbewusst im Auftrag Gottes in dieser Welt wirken. Als ein Nachfolger von Jesus in meinem Umfeld mutig Wahrheit aussprechen. Heilsam in den Beziehungen um mich herum wirken. Liebevoll, ehrlich, konsequent und barmherzig. Ohne Angst vor der Meinung anderer und ohne Zweifel am Sinn und Erfolg meines Handelns. Wohlwissend, dass es nicht meine Kraft und mein Licht sind, die hier wirken. Sondern Gott, der in den Schwachen mächtig ist.

Jesus selbst hat seine Jünger beauftragt, in seinem Auftrag zu handeln. Und von der jungen Gemeinde wird berichtet, dass sie die Auferstehung in großer Kraft bezeugte und große Gnade bei ihnen war (Apostelgeschichte 4,33). Das macht mir Mut, dass auch wir solche kraftvollen Erfahrungen machen können.

Jochen Furthmüller, Rheinstetten


Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.