Wie magst du dein Gericht? Eher viel Hauptspeise und wenig Verzierungen oder isst bei dir das Auge mit: geschmückter Tisch, garnierter Teller und ein, zwei kleine schöne Dekorationen dazu?
Der Prophet Amos garniert das „Gericht“, das er Israel anzukündigen hat, sehr poetisch durch die Blume. Ganz ironisch fordert Amos (in V 9.) die Oberschicht Israels auf, die Weltmächte Ägypten und Aschdod (Philister) einzuladen, damit sie von den Bergen aus Samaria bewundern. Doch sie sollen nicht über den Reichtum und die Blüte Samariens staunen, sondern über die Verbrechen der Reichen gegenüber den Armen im Volk. Dem ironischen Ton folgt ein brutaler Vergleich aus Amos Alltag, der Schafzucht. Wenn ein Schaf von einem wilden Tier gerissen wird, benötigt ein Hirte als Beweis wenigstens ein Ohr oder ein anderes kleines Teil des toten Tieres. Ebenso wenige Menschen sollen nach Gottes Gericht übrigbleiben. Und schließlich garniert er seinen Poetry, den Gerichtscocktail, in dem er die Zerstörung der Heiligtümer ankündigt. Die Hörner an den Altären, an denen sich die Gläubigen festhielten, um Schutz zu erlangen, werden am Boden zerstört liegen. D.h. auch dieser religiöse Schutz wird ihnen nicht helfen. (Einige Jahrzehnte später, 722 v. Chr., wurde Israel tatsächlich zerstört.) König Jerobeam und seine Leute wähnten sich in Sicherheit, denn sie gehörten doch zum auserwählten Volk Gottes. Und das bestätigt auch Amos am Anfang (Amos 3,1-2). Doch er fügt an, dass Erwählung kein Freibrief ist. Gott fordert Rechenschaft für die Verbrechen.
Wir können diese Geschichte Israels nicht eins zu eins auf heute übertragen. Manche gesellschaftlichen Parallelen entdecken wir vielleicht, aber wir sollen vorsichtig sein.
Doch wie Gott sein erwähltes Volk liebt, so sind auch wir heute als Gottes Kinder geliebt. Was bedeutet lieben? Heißt, jemanden zu lieben, bei dessen Ungerechtigkeit oder gar Verbrechen einfach die Augen zu schließen? Bedeutet lieben nicht auch, die andere Person auf Fehler hinzuweisen und sie auf den guten Weg lenken zu wollen? Das tut auch Gott mit uns. Ein alter Spruch lautet: Gott liebt die Sünderinnen und Sünder, aber hasst die Sünde. Also: Unrecht, das ich tue, verurteilt Gott und manchmal spüre ich auch die Konsequenzen. So unperfekt und unvollkommen wie ich bin, bleibe ich dennoch in Gottes Augen unvergleichlich wertvoll!
Am Ende des Amos Buches gibt es eine Vision, dass Gott auch mit diesem Volk eine Zukunft hat. Das ist der Ausblick der unbezahlbaren Liebe. Gott lässt sein Glaubensvolk niemals fallen. Das gilt auch heute - dir und mir!
Andreas Fahnert, Oranienburg
Manche Dinge in unserem Leben sind so sicher wie das ‚Amen‘ in der Kirche. Zum Beispiel, dass nach dem Waschen immer eine Socke fehlt, oder dass immer ich verdächtigt werde, wenn irgendein Unsinn passiert, oder dass der, der sich am lautesten über die Arbeit beschwert, am Ende doch immer die beste Note hat … Es sind solche „Na, war ja klar!“-Momente, und gefühlt erlebe ich jeden Tag irgend so etwas.
In dem Text, den wir heute gelesen haben, werden auch solche Situationen aufgezählt, auch wenn sie heute nicht mehr ganz so einleuchtend sind. Oder wann hast du zuletzt ein Klappnetz aufgestellt oder in ein Widderhorn geblasen? Fakt ist: Es gibt Dinge, die passieren so sicher wie das ‚Amen‘ in der Kirche.
Aber wie ist das eigentlich mit dem Reden Gottes? Ist das für dich auch so ein „War ja klar!“-Moment, dass, wenn du dein ‚Amen‘ nach dem Gebet sprichst, Gott dir einfach antwortet?
Für Amos scheint es so gewesen zu sein. Oder eher noch krasser: Er hat gar nicht nach einer Antwort Gottes gefragt. Aber Gott hat zu ihm geredet, weil Gott etwas zu sagen hatte. Und wenn Gott etwas zu sagen hat, dann sagt er es auch. Dann findet er Mittel und Wege, wie er die Menschen mit seiner Botschaft erreicht. Im Alten Testament waren das die Propheten. Amos war so einer. Prophet-Sein hat man nicht gelernt, sondern Gott hat einen dazu berufen. Plötzlich hörten sie Gottes Stimme, sahen Bilder und Visionen von dem, was Gott den Menschen zu sagen hatte.
Mit Jesus ist eine neue Zeit angebrochen, und nicht nur bestimmte Propheten können Gottes Stimme hören, sondern wir alle. Alle, die zu Gottes Herde gehören.
„Meine Schafe hören meine Stimme“ (Joh 10,27), sagt Jesus.
Ich glaube, dass Gott uns auch heute noch Dinge zu sagen hat. Ja, dass er ganz persönlich mit dir reden will! Meist ist sein Reden heute nicht so spektakulär wie bei den Propheten in der Bibel, vielleicht mehr wie ein sanfter Gedanke in meinem Herzen oder ein Gedankenblitz oder auf ganz andere Art und Weise, wie ich es gar nicht erwarte. Aber ich bin davon überzeugt, dass er auch heute noch spricht und uns antwortet. Ja, das dürfen wir erwarten und dürfen Gott darum bitten. Bitte ihn heute darum, dass er dir das sagt, was er zu sagen hat, und höre hin. Sei nach deinem ‚Amen‘ einen Moment still und lausche in die Gegenwart Gottes hinein.
Mit der Zeit wirst du merken, dass sein Reden so sicher ist wie das ‚Amen‘ in der Kirche.
Felix Süß, Ellefeld
Wenn ich so an meine Schulzeit zurückdenke, dann sind eigentlich immer die Pausen das Wichtigste gewesen. Da habe ich mir schon während des Unterrichts überlegt, was ich in der Mittagspause mache und in welcher Pause ich es schaffe, nochmal schnell zum Bäcker zu rennen oder mit wem ich in einem Team sein möchte, wenn wir dann auf dem Schulhof Fußball spielen. Oder erst die Freistunden: Was einem da für Möglichkeiten offenstanden. Ein Besuch in der Bibliothek oder gar im Kino (bei einer Doppelfreistunde). Was sollte man auch sonst in dieser Zeit tun? Pausen sind wichtig. Da sind sich alle einig: Lehrer wie Schüler, Chefs wie Angestellte, Kinder wie Erwachsene. Wenn ich so darüber nachdenke, vermisse ich manchmal die vorgegebenen Schulpausen (den Unterricht vermisse ich übrigens nicht). Denn in diesen Pausen habe ich wirklich nur mein Ding gemacht – das, was für mich gerade wichtig war, und der Schulstoff war dann meistens egal. Jetzt dagegen fällt es mir manchmal schwer, eine „richtige“ Pause zu machen. Klar: Ich gehe gern zur Kaffeemaschine im KJW, aber nebenbei kläre ich noch schnell etwas mit einem Kollegen. Während des Mittagessens ruft meine Frau an und will etwas wegen unseres Autos wissen. Selbst aufs auf die Toilette nehme ich sicherheitshalber mein Handy mit … Wo sind die ernsthaften Pausen geblieben? Was lässt mich wirklich wieder auftanken? Wo kann ich den Kopf mal abschalten?
Jesus sagte einmal zu seinen Jüngern: „Kommt her an eine einsame Stätte und ruht ein wenig.“ (Markus 6,31).
Und das möchten wir mit den Sommerandachten erreichen. Sie laden DICH zu so einer „richtigen“ Pause ein. Mach es dir bequem. Internet aus. Und lies …
Los geht's hier am 29.06.2026!
Jonas Will
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.