SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

sommerandachten 2026

Sonntag, 09. August, Psalm 59,1-11 & 15-18

Sicher wie eine Burg

„Ich aber will von deiner Macht singen und des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not. Meine Stärke, dir will ich lobsingen; denn Gott ist mein Schutz, mein gnädiger Gott.“
Psalm 59,18 (Luther 2017)

Kennst du das Gefühl, wenn dich alles an einem Tag nervt? Die Freunde, die Action wollen, obwohl du eigentlich Ruhe brauchst. Die Eltern, die dich mit Erwartungen überhäufen. Oder einfach dieses dumpfe Gefühl, dass zu vieles gleichzeitig auf dich einprasselt. Genauso bzw. viel schlimmer, gings David in diesem Psalm. Er war bedroht, verfolgt – und er wusste: aus eigener Kraft schafft er’s nicht.

Aber statt sich im Selbstmitleid zu vergraben, schaut David nach oben. „Du bist meine Burg, Gott!“ Das ist mehr als ein schöner Spruch. Eine Burg ist ein sicherer Ort, fest, unerschütterlich. Da kommt keiner einfach so rein. Und David weiß: Gottes Stärke schafft mir den Ort der sicher ist, egal wo – auch wenn außen rum Chaos tobt.

Was, wenn du diesen Sommer genauso lebst, mit dem gleichen Wissen bzw. der gleichen Sicherheit? Nicht aus Angst, sondern aus fundamentalem Vertrauen zu Gott. Wenn du merkst: Jesus ist meine Burg. Dann kannst du auch mal loslassen. Du musst nicht alles regeln, du kannst mal die Schulhefter ignorieren und Leistungsgedanken loslassen. Du darfst laufen, lachen, baden, beten – und wissen: Gott hat dich, mit ALLEM, fest im Blick.

Also nimm dir diesen Vers mit in deine Ferien: Wenn du Sonne siehst, fühle seine Freude; wenn dunkle Wolken kommen, erinnere dich: Du hast eine Burg.

Gedanke für den Tag:
Ich will heute neu vertrauen, dass Jesus meine Stärke und Sicherheit ist – egal, was kommt. Ich will es im Gebet benennen und mein Vertrauen auf Gott bekräftigen.

Diakon Tobias Seidel, Drebach
Bezirksjugendrat evjumab


Samstag, 08. August, Johannes 8,37-45

Wem hören wir wirklich zu?

In Johannes 8,37–45 spricht Jesus mit Menschen, die sich religiös sicher fühlen. Sie sagen: „Wir sind Abrahams Nachkommen.“ Für sie ist das mehr als Herkunft – es ist Identität. Wer zu Abraham gehört, gehört zu Gott. Doch Jesus stellt diese Sicherheit infrage. Er macht klar: Abstammung oder religiöse Zugehörigkeit sagen noch nichts darüber aus, wie ein Mensch innerlich steht. Entscheidend ist, wie jemand auf Jesus reagiert.

Diese Szene ist unbequem, weil sie auch uns betrifft. Auch heute verlassen wir uns leicht auf Äußerliches: Tradition, richtige Worte, kirchliche Gewohnheiten oder das
Gefühl, ein guter Mensch zu sein. Doch Jesus schaut tiefer. Ihn interessiert nicht zuerst, woher wir kommen, sondern was uns prägt. Welche Stimmen hören wir? Was
beeinflusst unsere Entscheidungen?

Jesus nennt ein klares Kriterium: Wer zu Gott gehört, hört auf seine Worte. Damit meint er nicht nur Zuhören mit den Ohren, sondern ein Offenwerden des Herzens.
Genau das fällt seinen Gesprächspartnern schwer. Sie „können“ seine Worte nicht hören, weil sie innerlich blockiert sind. Sie haben bereits entschieden, was wahr sein
darf. Und Jesu Worte passen nicht in dieses Bild.

Dann spricht Jesus sehr deutlich von einer anderen Quelle, die hinter der Ablehnung steht. Er beschreibt Lüge als etwas Zerstörerisches. Lüge ist nie neutral. Sie trennt
Menschen voneinander, von Gott und von der Wahrheit über sich selbst. Oft tarnt sie sich als Überlegenheit oder als scheinbare Sicherheit: „Wir wissen doch, wie es ist.“

Das Evangelium will damit nicht beschämen, sondern wachrütteln. Es lädt ein, ehrlich hinzuschauen: Was leitet mich wirklich? Gottes Wahrheit oder Angst, Stolz und Kontrolle? Besonders schwer fällt es uns, Wahrheit anzunehmen, wenn sie uns korrigiert. Dann fühlen wir uns schnell angegriffen.

Doch Jesus sagt: Die Wahrheit macht frei. Diese Wahrheit ist keine Theorie, sondern eine Person. Jesus selbst ist die Wahrheit. Wer sich ihm öffnet, wird innerlich neu. Äußere Frömmigkeit allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob Gottes Wort Raum in uns bekommt und unser Denken und Handeln prägt.

Paul Böttrich, Moritzburg


Freitag, 07. August, Johannes 8,31-36

Entscheidungen

Warum sollte ich mich für Jesus entscheiden? Was soll sich durch ihn schon ändern?

Auf Arbeit stehen zu viele Aufgaben in zu kurzer Zeit an. In Hochphasen führt das immer wieder dazu, dass ich im Kopf von einem ins andere springe, kaum dranbleiben kann und mich unproduktiv fühle. Zuhause ist es ähnlich. Wie voll ist doch der Alltag: eigene Ziele erfüllen, Familie und Freunde unter einen Hut bekommen, jegliche sonstige Aufgaben erledigen. Für ausruhen, Gott begegnen bleibt wenig Zeit bzw. ich räume dafür nur zu wenig ein. Aber ist es doch eigentlich so wichtig und kein verschiebbarer Punkt.

Wie oft verlieren wir uns im Jetzt, im Stress des Alltags, sind mit unseren Entscheidungen unzufrieden, hadern mit uns, den anderen, dem Sinn des eigenen Lebens. Nicht selten verhalte ich mich in solchen Phasen unfair oder nicht so wie ich das eigentlich gerne möchte. Im Vergleich mit anderen, spüre ich manchmal Neid, wenn ich sehe, wie gut es dort läuft. Sei es bei Freunden, die super in ihrem Studium, ihrer Karriere vorankommen, in ihren Hobbies glänzen oder gefühlt unglaublich viel Zeit für großartige Reisen haben.

Die Gedanken sind meist immer die gleichen: Warum scheinen alle anderen immer etwas zu erreichen, wobei gleichzeitig einem selbst alles über den Kopf hinauszuwachsen scheint?

Das kann frustrieren und schafft nicht selten negative Gedanken. Souverän handeln und die Lage objektiv einschätzen? Fehlanzeige. Missgunst, Sticheleien, Zynismus, Unzufriedenheit sind deine Freunde.

So geht es mir manchmal. Und ich ärgere mich selbst darüber, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke. Ärgere mich, weil ich es aus eigener Kraft wieder nicht geschafft habe, diese Gefühle und Gedanken zu bekämpfen. Was mir jedoch dabei hilft? Ich weiß Jesus verstößt mich nicht. Ich stehe nicht allein da mit meinen Fehltritten. Nein. Er verzeiht sie mir und nimmt mir die Last von den Schultern.

Jeden Tag habe ich einen Termin mit Gott, meist in Form einer kleinen Tagesandacht. Am besten früh gleich. Dann fällt es später am Tag nicht herunter. Ich mache mir einen Kaffee, versuche so aus meiner Gedankenwelt herauszukommen und komme zur Ruhe. Ich lese im Andachtsbüchlein, lasse den Text wirken, bete. Es ist meine Zeit mit ihm. Hier wird mir klarer bewusst, er ist für mich da und gibt mir die Möglichkeit, nicht Sklave von Stress oder schlechten Gedanken zu sein. Er tariert mich aus und hilft mir aus den Negativspiralen heraus bzw. verhindert sie. Durch die aktive Entscheidung für Jesus fühle ich mich wieder aufs Neue gestärkt und frei. Das prägt mein Tun und wirkt enorm positiv. Jedes Mal neu.

Max Friedel, Freiberg


Donnerstag, 06. August, Johannes 8,21-30

Wenn Freiheit plötzlich unbequem wird

„Die Wahrheit wird euch frei machen.“
So ein Satz, den man schon tausendmal gehört hat. Steht auf T-Shirts, in Insta-Bios, auf christlichen Postern. Und trotzdem catcht er mich immer wieder neu.

In Johannes 8 reden Menschen mit Jesus, die fest davon überzeugt sind, frei zu sein. Sie sagen sinngemäß: Wir waren nie Sklaven. Und ich denk mir: krass. Weil ich das auch oft denke.

Ich fühl mich frei. Ich entscheide doch selbst. Ich plane mein Leben, meine Projekte, meine Zukunft. Und trotzdem gibt’s diese Momente, wo ich merke: irgendwas hält mich fest. Gedanken, die nicht lockerlassen. Erwartungen, denen ich hinterherrenne. Dinge aus der Vergangenheit, die immer noch Einfluss haben, obwohl ich sie längst abgehakt haben wollte.

Jesus spricht das direkt an. Er redet von Sünde, von Gebundenheit, nicht um zu verurteilen, sondern um ehrlich zu sein. Und genau das mag ich an ihm. Er tut nicht so, als wäre alles easy, nur weil man glaubt. Er schaut dahin, wo’s wehtut.

Was mich dabei am meisten trifft: Jesus sagt nicht, Freiheit kommt durch mehr Anstrengung oder dadurch, dass ich alles richtig mache. Er sagt: Bleib in meinem Wort.
Nicht: perfektionierer dich!
Nicht: reiß dich zusammen!
Sondern: bleib bei mir!

Ich habe gemerkt, wie oft ich versuche, mein Leben selbst zu kontrollieren und es „Freiheit“ nenne. In Wahrheit ist es eher Druck. Und genau da spricht Jesus rein: Der Sohn macht frei. Nicht ein System. Nicht eine Leistung. Er.

Freiheit bei Jesus fühlt sich manchmal unbequem an, weil sie ehrlich ist. Weil Wahrheit Dinge ans Licht bringt. Aber genau darin liegt Hoffnung. Jesus nennt nicht nur das Problem, er bietet sich selbst als Lösung an!!

Vielleicht heißt Freiheit heute nicht, alles im Griff zu haben. Sondern loszulassen.
Zu bleiben. Und Jesus zu glauben, wenn er sagt: Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei.

Mika Drechsler, Hennersdorf


Mittwoch, 05. August, Johannes 8,12-20

Jesus ähnlicher werden – und zwar so richtig!

Im Gottesdienst am Altjahresabend habe ich als persönliche Jahreslosung Matthäus 5,14-15 gezogen. „Ihr seid das Licht der Welt!“ Und dann setze ich mich hin und lese in meinem Text für die Sommerandachten: „Ich bin das Licht der Welt!“. Sofort kommt mir Kurt Marti in den Kopf:

Der sagt „Ich bin“, sagt uns „Ihr seid“
Der sagt „Ihr seid“, sagt uns „Ich bin“
das Licht der Welt

Und mit diesen Zeilen geht mir durch den Kopf, wie oft ich von Christen höre: „Ich will Jesus ähnlicher werden!“ Ja, das ist ein schönes, frommes Ziel. Doch beschleicht mich das Gefühl, dass man sich damit auch gut aus der Affäre ziehen kann. Denn Jesus ähnlicher zu werden, kann vieles bedeuten. Konkret zum Text heute: Es gibt keine Anleitung, um „Licht der Welt“ zu sein. Immer wieder begegnen einem Menschen, die davon sprechen, Jesus ähnlicher zu werden, die aber nicht danach handeln. Und von all den Situationen, über die ich berichten könnte, in denen Menschen meiner Meinung nach unauthentisch waren, nicht so gelebt haben, wie Gott will, obwohl sie große Töne über Nachfolge schwingen, gibt es eine, in der es mir besonders deutlich war, wie da jemand „falsch nachfolgt“: Diese gerade eben. Ich, der sich über die anderen beschwert. Ich, der denkt: das, was die anderen machen ist doch ganz falsch, sie wollen Jesus ähnlich sein, aber sind es nicht. Diese Gedanken, die ich da in mir höre, sind genau die Gedanken, die die Pharisäer beim Hören auf Jesu Worte haben. Genau wie die Pharisäer, ertappe ich mich, wie ich „nach dem Fleisch richte“. Hast auch du dich schonmal dabei ertappt?

Wie gehen wir damit um? Ich sehe das Losungskärtchen vor mir liegen, auf der steht, dass auch ich dieses Licht der Welt bin. Kann ich das für mich annehmen, obwohl ich genau das Gegenteil von dem tue, was Jesus von mir will? Ich kann und ich werde es annehmen. Nicht, weil ich von heute an alles richtig mache. Sondern, weil du es sagst, Jesus, werde ich deine Zusage annehmen. Johannes 8 zeigt uns: Jesus ähnlicher werden heißt nicht, die Menschen um uns herum zu mahnen, wie die „bösen, bösen Pharisäer“. Denn Jesus sagt: „ich richte niemand!“. Und was Jesus sagt, ist wahr. Das bezeugt nicht nur er selbst. Es bezeugen alle, die ihm begegnen: ob es die Samariterin am Jakobsbrunnen ist, die Ehebrecherin, die nicht gesteinigt wird, der Schächer am Kreuz – und sogar die, die Jesus das Leben nehmen („Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“). Und ich kann es bezeugen, weil Jesus mich nicht richtet, obwohl ich es verdient hätte. Darum will ich Jesus so richtig ähnlich werden, nach dem Motto: wie Gott mir, so ich dir!

Simon Kühlein, Reichenbach


Dienstag, 04. August, Johannes 7,53-8,11

We listen and we judge?!?

Die Geschichte aus Johannes 7,53–8,11 kennen viele: Eine Frau wird beim Ehebruch ertappt und öffentlich vorgeführt. Schriftgelehrte und Pharisäer stellen sie in die Mitte, alle sehen sie an, alle wissen angeblich sofort, was mit ihr passieren muss. Das Gesetz ist klar, die Schuld scheinbar auch. Und Jesus soll das Urteil bestätigen. Doch er tut etwas völlig Unerwartetes. Er diskutiert nicht über Schuld oder Strafe. Er sagt nur: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Und plötzlich geht es nicht mehr um die Frau, sondern um die Menschen um sie herum. Um die, die urteilen. Um die, die sich sicher fühlen, weil sie gerade nicht in der Mitte stehen.

Wenn man ehrlich ist, sind wir meistens genau diese Menschen, die drumherum stehen. Wir stehen am Rand. Wir schauen zu. Wir bewerten. Du und ich. Vielleicht denken wir uns unseren Teil, vielleicht lachen wir aber auch laut mit unseren Freunden darüber. Über die anderen. Wir vergleichen uns mit anderen und kommen dabei ziemlich gut weg. Haben zwar unsere Fehler, aber das Tiktok ist ja viel bodenloser und so tief wie die im Trash-TV sind wir noch nicht gesunken. Wir kennen uns selbst und unsere Hintergründe, die der Anderen aber selten. Und das hält uns trotzdem selten vom Urteilen ab. Gleichzeitig wissen wir alle, wie es sich anfühlt, selbst verurteilt zu werden. Missverstanden zu werden. Auf einen Fehler reduziert zu werden. Vielleicht sogar zu Unrecht. Diese Erfahrung verbindet uns eigentlich alle. Und trotzdem tun wir oft so, als stünde uns das Urteil über andere zu.

Jesus dreht den Blick weg von der Frau und hin zu denen, die den Stein schon in der Hand halten. Er zwingt niemanden. Er zeigt nicht mit dem Finger auf jemanden. Er sagt auch nicht, ihr habt Recht oder ihr habt Unrecht. Und einer nach dem anderen geht. Nicht, weil plötzlich alles egal ist. Sondern weil jede und jeder merkt: Ganz so eindeutig ist es dann doch nicht. Am Ende bleibt Jesus allein mit der Frau zurück. Keine Steine. Keine Anklage. Aber auch kein Freifahrtschein. „Ich verurteile dich nicht“, sagt er. Und gleichzeitig: „Geh und sündige hinfort nicht mehr.“ Gnade und Verantwortung schließen sich nicht aus. Sie gehören zusammen. Vielleicht wäre unsere Welt ein anderer Ort, wenn wir weniger damit beschäftigt wären, andere kritisch zu betrachten, und stattdessen öfter bei uns selbst anfangen würden. Denn wenn jede und jeder sich selbst ehrlich hinterfragt, müssen wir nicht ständig über andere richten. Dann fallen die Steine vielleicht ganz von allein aus der Hand.

Über wen urteilst du besonders schnell – und warum? Wo misst du dich selbst anders als andere? Wann hast du dich zuletzt ungerecht beurteilt gefühlt? Achte bewusst auf Momente, in denen du innerlich über jemanden urteilst. Halt kurz inne und frage dich, was du gerade wirklich weißt – und was nicht. Vielleicht legst du den Stein innerlich beiseite. Mindestens einmal ganz bewusst.

Rebecca Leistner, Saupersdorf


Montag, 03. August, Johannes 7,40-52

Zwischen den Stimmen

Der Text, der uns heute begleitet, spielt mitten in einer hitzigen Diskussion. Jesus steht im Raum und mit ihm ganz viele Meinungen:

Einige sagen: Er ist wirklich der Prophet, den Mose ihnen angekündigt hat.
Andere sagen: Nein, er ist der Christus, der von Gott gesandte Retter.

Eine dritte Gruppe meint: Das kann doch nicht sein! Er kommt doch aus Galiläa und in der Heiligen Schrift heißt es doch, Christus soll von David abstammen. Er soll doch wie David aus Bethlehem kommen!

Schließlich beauftragten die Pharisäer und Priester die Tempelwachen, Jesus festzunehmen. Doch niemand wagte es, denn alle waren von seinen Worten beeindruckt. Das erzürnte die Pharisäer und Priester, nur Nikodemus nicht. Er, selbst ein Pharisäer, erinnerte daran, dass man niemanden festnehmen darf, ohne dass seine Schuld nachgewiesen ist. Dennoch hielten die anderen weiterhin starr an ihrer Meinung fest, dass kein Prophet aus Galiläa kommen könne.

Was für ein mutiger Typ, oder?

Nikodemus hätte sich in der Sicherheit seiner Leute verstecken können. Er hätte sich der Gruppe anschließen können, um keine Risiken einzugehen. Aber er tut es nicht. Er bleibt nicht in der eigenen Blase aus Vorurteilen und starrer Meinung hängen. Er denkt über das Gesetz und die Gerechtigkeit nach und öffnet sich gleichzeitig für Jesus, obwohl alle anderen skeptisch oder ablehnend sind.

Diese Bibelstelle und besonders die Geschichte von Nikodemus zeigen mir, wie leicht man, wie die Pharisäer, in den eigenen Gedanken stecken bleiben kann. Auch ich merke, dass ich manchmal denke, schon viel über den Glauben zu wissen und mich vor allem auf mich selbst verlassen zu können. Doch so kann mein Glaube nicht wirklich wachsen.

Ich brauche Menschen, die im Glauben erfahren sind, die mir neue Perspektiven eröffnen und an denen ich wachsen kann. Denn Glaube entsteht nicht allein, sondern im Miteinander und im gemeinsamen Unterwegssein.

Zwischen all den Stimmen in dieser Geschichte fällt mir auch auf, wie ruhig Gott handelt. Jesus drängt sich nicht laut in die Diskussion, er überredet niemanden mit starken Argumenten. Auch Nikodemus tritt nicht als großer Redner auf, sondern stellt eine einfache, ehrliche Frage – eine Frage nach Gerechtigkeit.

Nikodemus wirkt so, auf mich nicht wie jemand, der schon alles verstanden hat. Er ist unterwegs, offen für mehr als die festgefahrenen Meinungen seiner Umgebung. Genau das macht ihn für mich glaubwürdig.

Vielleicht kennen wir solche Situationen auch heute: viele Meinungen stehen im Raum, die Mehrheit scheint sich entschieden zu haben. Es wäre leicht zu schweigen oder mitzunicken. Doch gerade dann müssen wir uns fragen, welche Stimme wir wirklich hören wollen.

Für mich zeigt diese Geschichte: Glauben heißt nicht, immer klare Antworten zu haben. Glauben heißt, Fragen auszuhalten, offen zu bleiben für Neues und für Gottes Wirken.

Ich wünsche mir, etwas von diesem Mut des Nikodemus zu bewahren: den Mut, nicht alles wissen zu müssen, gerecht zu bleiben und offen zu sein für das, was Gott mir zeigen will – besonders dann, wenn ich zwischen den Stimmen stehe.

Vielleicht ist genau das die Einladung für uns heute: zwischen all den Stimmen nicht fertig sein zu müssen, sondern Gott zuzutrauen, dass er uns Schritt für Schritt weiterführt.

Simon Günther, FSJ Förderverein Evjumab


Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.