Der Psalm 145 ist einer von mehreren Alphabetpsalmen. Im Deutschen fällt uns das nicht so sehr auf, weil die Anfangsbuchstaben der Verse nicht in der Reihenfolge unseres Alphabets sind. Aber im Hebräischen stimmen die ersten Buchstaben jedes Verses jeweils mit dem nächstfolgenden Buchstaben im Alphabet überein. Das wurde so gemacht, damit es leichter fallen kann, das Gebet auswendig zu lernen und um das Symbol der Vollständigkeit darzustellen. Unser konkreter Psalm ist ein großes Lobeslied auf Gott und setzt Gott ganz klar in den Fokus.
Ich möchte dich einladen, deinen Tag heute ganz unter den Fokus der Dankbarkeit zu legen.
Überlege dir drei Dinge, für die du gerade dankbar sein kannst:
Im Laufe des heutigen Sonntages, schau dich genau um – wo findest du Gott und Worte des Lobes? Notiere dir gerne ein paar Momente.
Und als dritten Schritt, ganz inspiriert vom Psalm 145 – überlege dir, wem du heute noch von diesen wundervollen, dankbaren Momenten erzählen magst, wen du mit deinem Lob für Gott anstecken möchtest.
Dieser Psalm kann mir und dir ein Vorbild sein, bewusst auf unseren Alltag und auch die schönen Momente in den Pausen zu achten. Wo können wir Platz für Lob
Gottes machen?
Danke, dass du dich auf diesen Versuch eingelassen hast. Gott segne dich!
Diakonin Sophia Przyborowski, Ebersbach/Rödern
Jesus spricht in diesen Versen zu den religiösen Führern der damaligen Zeit. Er benutzt dazu ein Bild, das den Menschen damals wohl bekannt war: Er redet über einen Hirten und seine Schafe.
Er sagt, dass der echte Hirte den Schafstall durch die Tür betrete und dass seine Schafe ihn an seiner Stimme erkennen.
Jesus sagt außerdem, dass es andere gibt, die sich Zutritt zum Schafstall verschaffen wollen. Allerdings auf anderen Wegen, die meist nichts Gutes für die Schafe bedeuten.
Er macht klar, dass er selbst die Tür ist. Wer durch ihn hindurch geht, findet Sicherheit, Orientierung und Leben – und nicht nur irgendwie, sondern Leben in Fülle.
Während ich diese Zeilen schreibe starre ich auf den Bildschirm meines Computers. Dort habe zahlreiche Fenster im Internet geöffnet.
Auf einmal kommt mir ein interessanter Gedanke: Das Internet ist im Prinzip in einem Raum voller Fenster. Und wir verbringen dort eine Menge Zeit. Kann es sein das wir, heute zunehmend, die Tür vor lauter Fenstern nicht mehr sehen?
Alles macht sich groß und wichtig. Hinter jedem Tab und jedem Fenster verspricht uns jemand anderes das große Glück. Politiker, Coaches, Influencer, Produkte, Reisen, Versicherungen, Podcasts, Serien, Filme und vieles mehr. All das schreit uns durch diverse Fenster entgegen und möchte unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Hier ist der Bibeltext auf seine Art doch noch sehr aktuell. Wem möchtest du folgen?
Jesus sagt: „Ich bin die Tür zu einem Leben in Fülle“. Kannst du diese Tür in deinem Alltag noch erkennen? Und falls nicht, was kannst du tun?
David Melle, Zwickau
Immer, wenn ich nur so halb Zugang zu einem Text finde, lese ich ihn in mehreren Übersetzungen und was andere Menschen darüber denken. Und wenn ich da nichts finde oder das auch nicht hilft, dann … lese ich ihn nochmal und markiere jedes Wort, jeden Satzteil, der mich anspricht. In diesem Text sind das: „Jesus hörte“ „ausgestoßen“ „Glaubst du?“ „Wer ist es?“ „Du hast ihn gesehen“ „Sind wir denn auch blind?“ Und damit arbeite ich weiter.
„Jesus hörte.“ Das heißt für mich, Jesus hört zu und handelt dann danach. Er kümmert sich, ist für alle da, die ihn brauchen und die sonst vielleicht keinen haben. Er kümmert ich um sie. Wenn Jesus von meinen Problemen hört, hilft er mir.
„Ausgestoßen“, ausgeschlossen zu sein, ist übel. Der geheilte Mann kannte das - als jemand mit einer chronischen Krankheit war er schon vor seiner Heilung ausgestoßen. Das ändert nichts daran, wie weh das tut.
„Glaubst du…?“ „Wer ist es?“ und „Du hast ihn gesehen“ Ich glaube an Jesus, an den Menschensohn, weil ich ihn erfahren habe, weil ich seine Spuren, seine Liebe gesehen, wahrgenommen und erlebt habe. Trotzdem möchte ich manchmal fragen, wer ist das? Denn Gott ist viel größer als mein Verstand, da wünsche ich mir auch so eine direkte Bestätigung, wie Jesus sie hier gibt.
Nochmal zu meiner Arbeitsweise zurück: Was ich an einem Text nicht verstehe, markiere ich mit Fragezeichen. „Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden.” Checkst du das? Ich nicht. Hä, was meint Jesus damit?
So cringe die Volxbibel manchmal auch ist, sie hat mich oft genug gerettet. „Die jetzt glauben, den Durchblick zu haben, werden dann nichts mehr verstehen, und die jetzt noch gar nichts blicken, werden alles plötzlich verstehen können.” Okay, ja, so verstehe ich schon mehr. Aber Fragen bleiben trotzdem offen. Was genau soll das heißen? War Jesus nicht Anti-Schwarz-Weiß-Denken? Warum hat Gott seinen Sohn geschickt, damit sich die Welt in zwei Lager spaltet? Und lasse ich mich so leicht in eine Kategorie einordnen? Gehöre ich zu den Blinden oder zu den Sehenden?
„Sind wir denn auch blind?“ Das fragen auch die Pharisäer. Ich lese da aber nicht raus, dass sie sich für etwas Besseres halten und voll den Durchblick haben. Schließlich fragen sie ja auch. Was Jesus hier meinen könnte: Sich nicht sicher sein, ist keine Schwäche. Wie müssen gar nicht so tun als ob. Einen Bibeltext nicht zu checken, macht einen nicht dumm. Irgendwann werden wir verstehen und zwischendurch sagt Jesus uns vielleicht auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir müssen nur hinhören. Jesus hörte, aber höre auch ich?
Katrin Lüdeke
In Johannes 9 lesen wir von einem Mann, in dessen Leben wortwörtlich sehr lang Dunkelheit herrschte – er war von Geburt an blind. Doch durch Jesu Wirken wurde er sehend. Was anfangs als das größte Wunder, das ihm je geschehen ist, dargestellt ist, entpuppt sich laut der religiösen Machthaber schnell als skandalöser Gesetzesbruch. Wie enttäuschend musste das sein? So ein großes Ereignis trifft ein und anstatt, das Wunder anzuerkennen, laden sie den Geheilten erneut vor und machen ihm eins klar: Jesus sei ein Sünder. Doch was folgt ist keine Antwort, die einem religiösen Denken entspringt. Ganz im Gegenteil – der ehemals Blinde spricht von der Erfahrungsebene ausgehend und teilt sein ganz persönliches Zeugnis: „Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Eines weiß ich: dass ich blind war und jetzt sehend bin!“
Der Mann argumentiert nicht basierend auf irgendwelchen Lehrtraditionen oder Autoritäten, sondern basierend auf seinem ganz persönlichen Erlebnis. Und dieses Erlebnis kann ihm keiner mehr wegnehmen. Von seiner Wahrheit lässt der Geheilte sich nicht abbringen. Für ihn steht fest: Gott hat in seinem Leben gehandelt. Gerade diese Einfachheit provoziert. Die Gelehrten nehmen den Mann nicht ernst und es kommt sogar zu seinem Ausschluss.
Doch in dieser Auseinandersetzung wächst der Geheilte an Erkenntnis. Er lernt nicht nur, was es heißt, mit den Augen zu sehen, sondern vor allem mit Seele und Geist. Dieses Geschehnis ist viel tiefgehender als nur die körperliche Heilung an sich: der Mann erkennt, wer Jesus ist. Er begreift, dass Jesus von Gott kommt, weil Gott durch ihn handelt. Ironischerweise sind es die Sehenden, die blind bleiben für diese Wahrheit. Diese Geschichte hält uns einen Spiegel vor. Wir dürfen uns fragen, wie wir mit Situationen umgehen, bei denen wir Gott erfahrbar begegnet sind, Heilung erfahren haben oder auch unser Zeugnis teilen. Viele Menschen, die Jesus nicht kennen, werden damit nichts anfangen können oder sich sogar darüber lustig machen. In diesen Situationen dürfen wir uns ein Beispiel an dem Blinden nehmen und zu unserer Erfahrung stehen. Denn eigentlich ist Glaube genau das: bei dem zu bleiben, was wir erfahren, auch wenn wir es nicht sehen können und darauf zu vertrauen, dass Gott auch dann bei uns ist, wenn wir dafür einen Preis zahlen. Solche Situationen können unangenehm sein, doch ich möchte Dich ermutigen, an Jesus und an dem, was Er schon Großes in deinem Leben getan hat, festzuhalten.
Sehen an Körper, Seele und Geist kann unbequem sein, aber es führt in die Freiheit.
Mira Göhler, Hennersdorf, EvJuMab
Die Geschichte von der Heilung des Blinden hat bei mir bisher meist für Unbehagen gesorgt. Das hat verschiedene Gründe. Einmal finde ich diese Sache mit dem Brei aus Jesu Spucke und Erde echt komisch, wenn nicht sogar ein bisschen eklig. Nichts gegen Jesus, aber seine Spucke auf meinen Augen würde ich dann doch nicht haben wollen!
Der viel größere Grund für mein Unbehagen ist allerdings die wundersame Heilung selbst. Ich selbst komme aus einem Medizinerhaushalt und bin selbst sehr wissenschaftsgläubig. Ich liebe Daten und Fakten und ordne mein Leben an vielen Stellen nach statistisch belegten Erkenntnissen. Da passt so ein Wunder natürlich überhaupt nicht rein. Es hinterfragt mein aufgeklärtes Weltbild und ist deshalb eben irgendwie beunruhigend.
Ich kann deshalb die Pharisäer hier so gut verstehen, wenn sie sagen: „Ganz klar, der war gar nicht blind! Alles fake!“ Ich habe mir dieses und auch andere Wunder von Jesus deshalb lange ähnlich erklärt: Jesus war einfach ein guter Menschenkenner und die Blindheit war bestimmt eher psychosomatisch, also der Ausdruck von psychischen Problemen bei dem Blinden. Oder auch: Naja, das ist ja auch irgendwie mehr so als Bild zu sehen. Jesus öffnet uns im übertragenen Sinne die Augen. So konnte ich mir die ganzen vielen Wunder von Jesus lange Zeit „wegerklären“ und kleinreden.
Bis ich an Ostern einmal einen verstörenden Gedanken hatte: Die Auferstehung ist ja auch so ein Wunder! Sogar ein unermesslich viel größeres Wunder. Im Vergleich zu dieser Geschichte der Löwe zur Hauskatze! Dass die Auferstehung aber genauso passiert ist, war und ist für mich aber ein absolut zentraler Bestandteil meines Glaubens. Ohne an dieses Wunder zu glauben, könnte ich meinen Glauben an Jesus ehrlich gesagt auch gleich sein lassen. Aber wie passt das bitte zusammen? Ich glaube daran, dass Jesus von den Toten auferstanden ist (!!!) und nicht daran, dass er einen Blinden geheilt hat? Das macht ja wirklich gar keinen Sinn!
Ähnlich ist es übrigens mit dem Brei: Ich finde die Vorstellung eklig, Jesus Spucke auf meinen Augen zu haben, aber esse beim Abendmahl sein Leib und sein Blut? Das ist wohl wesentlich krasser als Spucke!
Ich glaube übrigens, dass diese Parallelen zur Auferstehung in dieser Geschichte kein Zufall sind. Der Evangelist Johannes erzählt in seinen Geschichten immer größere und heftigere Wunder, die in der Auferstehung gipfeln. Er bereitet mich behutsam vor auf das ganz große Wunder am Schluss.
Umgekehrt funktioniert das für mich übrigens inzwischen auch: Weil ich an die Auferstehung glaube, glaube ich inzwischen auch, dass die Heilung des Blinden und all die anderen Wunder passiert sind. Auch wenn es mir immer noch manchmal schwer fällt..
Ante von Postel
Wie oft hören wir im Alltag diese Frage? Irgendetwas läuft richtig schief – eine 5 in Mathe, da wird jemand schlimm krank, jemand wird ausgegrenzt oder gemobbt, die Eltern des besten Freundes trennen sich, in der Klasse wird sich nur noch gezofft. Und immer schwebt die Frage im Raum: Wer ist Schuld? Die Anderen? Ich selbst? Die Eltern? Gott?
Mit genau so einer Frage beginnt unser heutiger Bibeltext.
Eine der vielen Heilungsgeschichten der Bibel. Jesus heilt einen blindgeborenen Mann und die erste Frage der Jünger an Jesus, als sie diesem Mann begegnen, ist: Wer ist Schuld an seiner Blindheit?
Für die Jünger scheint klar zu sein: wenn einer krank ist, dann muss jemand Schuld daran haben. Eventuell haben seine Eltern etwas Schlechtes getan oder der Mann selbst hat gesündigt.
Jesus aber lehnt dieses Schuld-Denken ganz klar ab. Er schaut nicht auf die Schuld, sondern darauf, was aus dieser Krankheit Gutes werden kann. Nämlich: Gott zu verherrlichen.
Jesus verdeutlicht seinen Jüngern und auch uns heute: Auch, wenn man im ersten Moment nur das Leid sieht, hat Gott etwas Gutes damit im Sinn. Jesus sieht den Menschen, so wie er ist – mit seinen Macken, Eigenheiten und Schwächen. Er sieht direkt ins Herz, will den Menschen gesund machen und gleichzeitig Gottes Wirken in den Mittelpunkt stellen.
Nachdem Jesus dem Blinden Heilung zugesprochen hat, geht der zu den Leuten in seiner Stadt und bezeugt: Ich bin es, der blind gewesen ist. Ich bin es, der geheilt wurde. Ich bin es, der endlich wieder sehen kann. Er steht zu seiner Vergangenheit und er steht zu dem, was Jesus an ihm getan hat. Er bekennt: Gott hat an mir ein Wunder getan. Er hat mich verändert.
Gott handelt in unserem Leben vielleicht nicht durch so ein großes sichtbares Wunder – manchmal würde ich mir das wünschen. Wenn wir aber genau hinhören und hinsehen, wird er in vielen kleinen Momenten in unserem Alltag sichtbar. Wenn wir eben nicht mehr nur die Schuld hinter allem suchen, sondern unser Herz zur Ruhe kommen kann. Wenn wir zu denen stehen, die ausgegrenzt oder gemobbt werden. Wenn wir dem traurigen Freund ein gutes Wort sagen. Wenn wir dafür sorgen, dass ein Streit bei Seite gelegt werden kann, weil nicht jeder nur auf sein Recht besteht. Dann spüren wir in unserem Herzen die Veränderung, die Jesus damals an und durch den Blinden bewirkt hat. Und das ist ein wahres Wunder!
Maria Lein, Raschau-Markersbach
Streitgespräche sind meistens unangenehm und können auch schnell ausarten und verletzend sein. Man wird hitzig und sagt Dinge mehr aus dem Affekt heraus. Man lernt dabei sein Gegenüber erst einmal so richtig kennen.
So ähnlich war das auch bei einer Auseinandersetzung zwischen Jesus und Gegnern von ihm, aber nicht so wie ihr vielleicht jetzt denkt.
Jesus versucht nicht nur einmal seine Gegner davon zu überzeugen, dass er die Wahrheit sagt und dass, wenn man an seinem Wort festhalte, man in Ewigkeit bei Gott sein werde. Damit zeigt Jesus auch, dass Nähe zu Gott nicht durch Abstammung oder Leistungen entsteht, sondern durch den Glauben an Jesus Christus.
Die Anderen wollen das aber unter keinen Umständen glauben und fragen ihn deshalb nach Abraham. Denn der war bisher für sie DER Maßstab aller Autorität, Wahrheit und Gottesnähe. Als Jesus einfach so dahergelaufen kommt und etwas davon erzählt, dass er selbst die Wahrheit sei und quasi direkt in Gottes Dunstkreis sei, wollten sie es nicht glauben.
Als Jesus sagte: „Ehe Abraham wurde, BIN ICH“, bezeichnet er sich selbst mit dem Namen, mit dem Gott sich schon damals gegenüber Mose bezeichnet hat. Jesus offenbart eindeutig, wer ER IST.
Die Anderen können – nein – wollen das nicht wahrhaben und beschimpfen Jesus der Gotteslästerung, was zur damaligen Zeit mit Steinigung bestraft wurde. Sie versuchen Jesus zu steinigen, doch er wird von Gott verborgen. Sie halten so sehr an ihrer Herkunft fest, dass sie es gar nicht zulassen wollen, dass sich etwas in ihrem Bild verschiebt.
Ich denke, dass wir uns auch, wie die Gegner Jesu, schwertun, darüber zu reflektieren, was wir glauben. Traditionen, die es schon lange gibt, mögen Halt und Sicherheit geben, aber manchmal sollte man sich eben nicht fragen: „Wie haben wir es denn immer gemacht?“, sondern: „Wem glaube und vertraue ich?“
Nur weil es immer funktioniert hat, heißt es nicht, dass es das in Zukunft auch tut.
Klara Rochlitzer, Hartmannsdorf
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.