SOMMER ANDACHTEN 2026 GEDANKEN FÜR DIE URLAUBSZEIT - Play-Zeichen Pause-Zeichen

sommerandachten 2026

Samstag, 11. Juli, Amos 9,11-15

A new hope – eine neue Hoffnung?

Wenn man sich die Mühe macht, das ganze Amosbuch zu lesen, wird man schnell feststellen, hier geht es aber zur Sache. Es werden hauptsächlich Kritik, Warnungen, Gericht und Vernichtung angekündigt. Beim Lesen des Amosbuches, bis vor den Abschnitt, um den es heute geht, könnte man der Meinung sein: Das war‘s mit Israel. Das Ende ist nah. Da gibt es keine weitere Chance. Da kommt nichts mehr. Doch siehe da, mit unserem Bibeltext für heute kommt zu einem Plot Twist. Wie in einer spannenden Serie: Es gibt Hoffnung.

In zwei Bildern wird uns die Zukunft Israels gezeigt. Es geht um den Aufbau der Hütte Davids, d.h. dem Wiederaufbau des Königtums von David, und uns werden Wein und Weinberge als Inbegriff von Vitalität und Leben vorgestellt. Es gibt sie also doch: Tropfen der Hoffnung in einem Meer aus Unheil. Ich nehme aus dieser Zukunftsvision zwei Punkte mit:

Mein Leben muss nicht perfekt sein
Amos spricht zu Menschen, deren Welt aus welchen Gründen auch immer in Trümmern liegt. Genau dort sagt Gott: „Ich richte die zerfallene Hütte Davids wieder auf.“
Diese Zusage richtet sich nicht an Erfolgreiche, sondern an Gescheiterte. Gott beschönigt das Kaputte nicht – aber er gibt es auch nicht auf. Das heißt für mich: mein Leben muss nicht perfekt sein, damit Gott darin wirkt. Beziehungen, Lebens- und Zukunftspläne können Risse haben – Gott nennt das keinen Endzustand. Er sagt nicht: „Reiß alles ab“, sondern: „Ich baue neu.“ Dabei bleibt sichtbar, dass es einmal kaputt war. Aber genau das macht die Hoffnung realistisch.

Dieser Text im Amosbuches lädt ein, ehrlich hinzuschauen: Wo fühlt sich etwas zerbrochen an – im eigenen Leben, in der Welt, in der Kirche? Und dann diese Zusage zu hören: Gott ist ein Wiederaufbauer. Langsam, geduldig, nachhaltig.

Scheitern ist real, aber nicht endgültig

Nach all dem „So geht es nicht weiter“ kommt ein klares „Es geht weiter“. Gott hat das letzte Wort – und es ist kein Nein. Das Amosbuch zeigt: Gott nimmt Schuld ernst, aber er reduziert Menschen nicht darauf. Scheitern ist real – aber nicht endgültig. Das heißt für mich: Gottes Geschichte mit mir endet nicht bei meinen Fehlern. Dieser Teil im Amosbuch macht mir Mut, trotz allem eine positive Zukunft zu denken. Nicht naiv, sondern getragen von dem Wissen „Gott lässt mich nicht los“.

Impulsfrage:

Wo wünsche ich mir, dass Gott etwas in meinem Leben neu aufrichtet?

Klaus Schmiegel


Freitag, 10. Juli, Amos 9,1-10

Nicht das letzte Wort

Es gibt Texte in der Bibel, die fordern mich so richtig heraus. Ich schlage die Seite auf – und möchte sie am liebsten gleich wieder zuklappen. So geht es mir und warscheinlich auch vielen anderen mit dem letzten Kapitel des Amosbuches. Amos schildert hier seine letzte der fünf Visionen. Eigentlich ein Höhepunkt. – Doch auf den ersten Blick fühlt es sich eher wie ein Tiefpunkt an: Bilder von Zerstörung, Flucht und Tod. Gott selbst spricht davon, sein eigenes Volk zu verfolgen. Das ist eher harte Kost.

Schnell entsteht ein Bild von Gott, das Angst macht: rachsüchtig, unerbittlich, allmächtig und gnadenlos. Ein Gott, vor dem es kein Entkommen gibt. Da stellt sich mir die Frage: Wie passt das zu dem Gott aus Johannes 3,16, der die Welt so sehr liebt, dass er seinen Sohn hingibt? Da kann doch etwas nicht stimmen. Genau deshalb ist bei diesem Text eines besonders wichtig: Kontext, Kontext, Kontext.

Amos ist der älteste uns bekannte Schriftprophet. Gott schickt ihn ins Nordreich Israel, um Unbequemes auszusprechen: scharfe Kritik an sozialer Ungerechtigkeit, an Ausbeutung der Schwachen und an einem Glauben auf religiösen Abwegen. Amos warnt, mahnt, ruft zur Umkehr. Doch das Volk hört nicht hin, bleibt überheblich und selbstsicher. Jahrzehnte später wird Israel tatsächlich zerstört – 722 v. Chr. Amos’ Worte sind keine blinde Wutrede, sondern ein letzter Weckruf von Gott an sein Volk.

Was noch entscheidend ist: Dieser Abschnitt endet nicht bei Vers 10. Schon vorher macht Gott klar, dass er nicht alles vernichten will. Und die folgenden Verse sprechen eine andere Sprache: von Hoffnung, von Wiederaufbau, von einem gewandelten Schicksal. Gottes Ziel ist nicht Zerstörung, sondern Heil.


Als Gegenüberstellung dieser Amosverse liest sich Psalm 139 anders, um Gott richtig zu verstehen: Als der, der überall bei uns ist – im Leben und im Tod, im Oben und im Unten, selbst dort, wo wir uns am liebsten verstecken würden. Nicht als zerstörerischer Richter, sondern als Schöpfer und Begleiter.

Am Ende bleibt ein Gott, der sich nach Beziehung sehnt. Ein Gott, dem Gerechtigkeit nicht egal ist. Einer, der uns immer wieder einlädt, uns von Ungerechtigkeit abzuwenden und ihm zuzuwenden. Und der uns – trotz aller harten Worte – im Leben und im Tod hält. Genau darin liegt die Hoffnung.

Annika Finkbeiner, Reutlingen


Donnerstag, 09. Juli, Amos 8,11-14

Gott zieht sich zurück

Taumelnde, herumirrende Menschen. Schönen Frauen. Junge Männern. Von ihnen lesen wir im heutigen Bibeltext. Sie alle haben Hunger und Durst. Durst nach Leben und Gotteshunger. Verlangen nach Sinn, Bestätigung, Zugehörigkeit, Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit. Offenbar fehlt es an diesen „Lebensmitteln“. An dem, was Leben erfüllt und trägt.
Gott handelt hier konsequent. Er überlässt die Menschen sich selbst und zieht sich zurück.
Die Menschen im Nordreich Israel hatten Gott vergessen. Arme wurden ausgebeutet, Preise stiegen (und ja - der Döner wäre teurer geworden). Schwache wurden übersehen, leise Stimmen stumm gemacht. Erfolg und Stärke waren alles, Macht dient nicht den anderen, sondern dem eigenen Vorteil. Sie lebten so, als bräuchten sie Gott nicht, weil anderes wichtiger geworden war.
Und trotzdem war Gottes Wort da, durch Amos einem einfachen Landwirt, der Gerechtigkeit verkündete, aber ignoriert wurde. Die Menschen wollten ohne Gott glücklich werden, jetzt müssen sie ohne ihn unglücklich bleiben.
Dann ändert sich plötzlich alles: Gott zieht sich zurück.
Und erst jetzt merken sie, was fehlt. Ein Hunger nach Orientierung, Wahrheit und Trost entsteht, aber Gott schweigt.
Willkommen am Tiefpunkt: Nicht, dass Gott wütend ist, sondern dass er still ist.
Dieser Text trifft mich, weil ich hier eine Seite Gottes entdecke, die wehtut. Gott schweigt bewusst und zieht sich zurück (s. Vers 12).

Und dann ein Gedanke, der mir kommt, was Gott mit seinem Tun eigentlich bezwecken möchte: Vielleicht solidarisiert sich Gott mit denen, die damals stumm gemacht wurden.
Das öffnet mir die Augen und Ohren. Wer wird heute überhört? Wer an den gesellschaftlichen Rand gedrängt?
Der fordert mich heraus genau hinzuhören. Hören auf Gottes Wort, das so manches infrage stellt, was in unserer Zeit so wichtig erscheint. Amos proklamiert das Recht. Gott steht auf der Seite derer, die unter Macht leiden.

Vielleicht ist Gottes Schweigen nicht das Ende. Vielleicht ist es ein Spiegel. Ein lautes Fragezeichen. Ein Raum,
in dem wir uns selbst begegnen können. Manchmal muss etwas fehlen, damit wir wieder merken, wir sehr wir
es brauchen.
Gott zieht sich zurück. Nicht um zu bestrafen, sondern um wachzurütteln. Um Sehnsucht zu wecken. Um deutlich zu machen, dass Leben ohne ihn zwar laut, gefüllt und erfolgreich sein kann, aber am Ende leer bleibt.

Da, wo wir die Not unserer Zeit wahrnehmen, wo Ungerechtigkeit uns nicht mehr egal ist, wo unsere Sehnsucht wieder Raum bekommt.
Dort beginnt Gottes Stimme neu hörbar zu werden.

Und vielleicht ist die wichtigste Frage nicht:
Warum schweigt Gott?

Sondern eher worauf macht mich dieses Schweigen aufmerksam?

Vielleicht beginnt an dieser Stelle wieder ein neuer Anfang.
Ein Anfang des Hörens.
Ein Anfang der Sehnsucht.
Ein Anfang, an dem wir Gott nicht überhören, sondern wieder suchen.

Toby Zucker, Diakon & Referent für missionarische Jugendarbeit im Kinder- und Jugendwerk Süd


Mittwoch, 08. Juli, Amos 8,1-10

Bitte, bitte gib mir nur ein …

Ich schreibe diese Zeilen Anfang Januar 2026.
Der verrückte Diktator der USA hat den verrückten Diktator von Venezuela entführt, um sich dessen fette Ressourcen zu krallen. Keine Geheimnisse mehr. Alles transparent. Sein nächstes Ziel ist Grönland. Das wäre dann das Ende der NATO… -_-... Heute Morgen haben Trumps ICE-Männer im Land der “Freiheit“ einfach die Mitte-30-jährige Familienmutter René Nicole Good in ihrem Auto erschossen. Alles auf Video. Für alle sichtbar. Ganz normal in meinem Insta-Feed, zwischen KI-generierten Maduro-Memes und enttäuschen Stranger Things Fans, die ihren Unmut über das nicht erscheinen der 9. Folge äußern. Ihre Letzten Worte waren: „I´m not mad at you.“ Die des ICE- Typen waren: „You f*cking B*tch“. Dann 3 Kopfschüsse. In Berlin z. B. fiel letzte Woche in einigen Stadtteilen der Strom aus. Bei minus zehn Grad. Bis heute. Bei allen Theorien, wer das zu verantworten habe, sollte man sich immer eine Frage stellen: Wem nützt es? Es ist in manchen Teilen von Deutschland so dunkel geworden, man kann Blau und Braun kaum noch unterscheiden.

Wenn du das liest, sind ganz sicher noch viel mehr bittere, schockierende Sachen passiert.

Der Wahnsinn, den Diktatoren (alles Männer …) auf der Welt gerade veranstalten, hat offenbar keine Grenzen. Unterstützung bekommen sie von Multi-Milliardären. Eine Konzentration von Reichtum und Macht, die sich scheinbar an keine Regeln und Gesetze mehr halten muss. Wenige haben Milliarden. Milliarden haben nichts. Wie obvious böse kann man eigentlich sein …

Die gleichen Gedanken habe ich oft, wenn ich über das Volk Israel oder Juda im AT lese. Es wirkt auf mich oft überspitzt, wie offensichtlich falsch sie sich verhalten. Wäre es eine Serie, würde ich sagen, manche dieser Charaktere sind schlecht geschrieben. Zu schwarz-weiß. Doch am Ende genügt ein Blick in Nachrichten, um zu merken, dass es doch realistischer ist, als ich mir eingestehen mag.

Das, was mich wirklich beunruhigt, ist, wie einige Diktatoren ihren Machtanspruch mit Gott legitimieren. Und wie viele Gläubige das mit machen. Manche Despoten sehen sich auch auf der Seite des jüdisch-christlichen Gottes. Wtf. Das ist doch der Gott, an den ich auch glaube. Der, der sich in Jesus offenbart hat und über den man in der Bibel lesen kann. Das ist so absurd.

Es ist dieser Gott, den Trumpster, Putin und Co. hinter sich meinen, der sich im Buch Amos wahnsinnig aufregt über die raffgierige, menschenverachtende Haltung von Jerobeam II., dem König des Nordreichs Israel und über alle die es ihm gleichtun. Der Gott, den es zornig macht, wenn Minderheiten unterdrückt und Arme ausgebeutet werden. Damals. Und heute.

Die Konsequenz ist offenbar kein Schwefelregen wie bei Sodom und spannenderweise hier im Textabschnitt auch kein anderes Imperium, dem man ausgeliefert sein wird. (Spoiler: Das wird dem Nordreich trotzdem so ergehen.) Hier droht Gott an, dass er einen Hunger und Durst kommen lassen wird, den diese Leute nicht stillen werden können, mit keinem Reichtum der Welt: den Hunger und den Durst nach seinem Wort.

Bitte gib mir nur ein – bitte, bitte gib mir nur ein Wort.

Getrennt von Wort der Liebe, vom Wort Gottes wird jeder Mensch irgendwann zugrunde gehen. Damals. Und heute.

Mit einem Wort können wir offenbaren, was wir denken und was uns bewegt. Gott offenbarte sich auch durch sein Wort. Es wurde Mensch und wandelte auf der Welt. (Siehe Johannes Evangelium, Kap. 1)

Jesus.

Was für ein Privileg, was für ein Reichtum, dass ich jederzeit mit ihm im Gespräch sein darf.

Björn Tröger, evangelische Jugend Bärenwalde
sowie Mitarbeiter im Gemeindedienst der
Evangelisch-methodistischen Kirche im Kooperationsraum Zschorlau-Schneeberg


Dienstag, 07. Juli, Amos 7,10-17

Den Hunger nach der Wahrheit wiederfinden

Wir leben in einer Zeit, in der wir die Antworten auf Fragen in unserem Leben in Dingen suchen, in denen wir sie nicht wiederfinden werden.
Wir laufen materiellen Dingen hinterher, um uns oder anderen besser zu gefallen.
Wir verherrlichen in unserem Alltag eine Sache so arg, dass wir sie über alles andere stellen.
Wir beten Götzen an.

Überlege doch ganz kurz, was das in deinem Leben sein könnte. Und erfüllt dich all das?

Schon 750 v. Chr. sprach Gott durch Amos zu den damaligen Menschen, dass wir in unserem Leben einen Hunger verspüren werden, der über menschliche Überlebensbedürfnisse hinausgeht. Keinen weltlichen Hunger, sondern einen Hunger nach Gottes Wort und seiner Gegenwart.
Für eine kurzzeitige Befriedung des Hungergefühls greifen wir zu einem Snack auf dem Sofa, scrollen Stunden auf Social Media oder setzten unserem Gehirn Dopamin Schocks aus, indem wir im Kaufrausch sind.
Aber eine nachhaltige Stillung ist das nicht. Der Einzige, der diesen Hunger, tief in unserem Inneren stillen kann, ist Gott.

Und diese Nahrung, nach der wir wirklich suchen, hat uns Gott schon zur Verfügung gestellt. Wir finden sie im Wort Gottes und in der Nachfolge Jesu, in dem wir in der Bibel lesen, Gemeinschaft mit ihm suchen und beten. Die Wahrheit in Gottes Wort kann unsere Herzen frei machen von den Dingen in unserem Leben, die unseren Hunger nicht stillen. Und die uns auf eine Art und Weise blockieren und uns vorgaukeln, gut für uns zu sein. Lasst uns nicht wie die von Amos Beschriebenen sein und von Meer zu Meer wanken oder ohnmächtig werden vor Durst, weil wir
falschen Göttern und Götzenbildern hinterherlaufen.
Lasst uns wieder Jesus, Gottes Sohn, in die Mitte unseres Lebens stellen! Gemeinschaft mit anderen Christen leben und mit ihnen dabei nicht nachlässig werden in unserem Glauben. Denn dann erleben wir das Sättigungsgefühl, nach dem wir in unserem Leben so sehr auf der Suche sind.

Ich ermutige Dich, dir heute diese Fragen zu stellen:

  • Wie kann ich in meinem Alltag einen Raum schaffen, in dem ich Zeit mit Gott verbringe?
  • Bin ich bereit Jesus nachzufolgen und ihn ins Zentrum meines Lebens zu stellen?
  • Welche Dinge in meinem Leben halten mich davon ab, auf Gottes Wort zu hören?

Vincent Richt, Frankfur


Montag, 06. Juli, Amos 7,1-9

Das große Ganze

Und mal wieder hat sich Gott einen eher einfachen und weniger privilegierten Menschen für seine Pläne ausgesucht: Amos, ein Hirte und Feigenbaumzüchter. Gott möchte, dass dieser dem Volk Israel dessen Situation aufzeigt. Denn es ist mal wieder auf einem „Egotrip“ unterwegs. Jerobeam II. regiert aktuell, interessiert sich kaum, bis gar nicht für Gott und das Volk färbt von ihm ab. Wieder ein Versagen Israels, wie so oft in der Bibel. Doch Gott liebt sein Volk, denn er hat es auserwählt. Mit dieser Berufung geht aber auch eine besondere Verantwortung einher. Wenn mit dieser leichtfertig umgegangen wird, so bedeutet es für Gott, dass er konsequent bestrafend handeln muss.

Die Heuschrecken-Vision ist der Auftakt von mehreren Visionen, die Amos von Gott erhält. Sie stehen symbolisch für den Tag des Herrn, an dem er im Volk Gerechtigkeit schaffen möchte. Heuschrecken fallen über das Land und fressen alles ab. Selbst Amos bittet Gott um Erbarmen für Israel, denn er sieht es dadurch in dessen Existenz bedroht. Und tatsächlich verspricht Gott, dass diese Vision doch nicht eintreten soll. Die weiteren Visionen wirst du in den nächsten Tagen noch kennenlernen.

Wie so oft im Alten Testament, klingt das alles sehr hart und bestrafend. Es liegt nun an uns, ob wir dennoch das große Ganze verstehen möchten, welches eine unabdingbare Liebe Gottes offenbart. Es ist ein stetiges Ausbalancieren von Gericht und Gnade. Weil Gott sein Volk so liebt, ist es für ihn unumgänglich zu handeln, wenn es in die falsche Richtung läuft. Denn über diesem Richten steht der langfristige Wunsch, dass seine Herrlichkeit erkannt und nur er angebetet wird. Diese Anbetung führt dazu, dass das Volk Gerechtigkeit und Nächstenliebe leben kann, so wie es sich Gott wünscht.
Ich persönlich lerne durch das Buch Amos, wie sehr Gottes Wunsch nach Beziehung zu uns über allem steht. Wenn wir in die falsche Richtung laufen, tut ihm das weh. Doch auch falsche Wege kann er nutzen, dass sie uns zum Besten dienen. Wir dürfen neu lernen, ihm zu vertrauen und zu verstehen, dass er es gut meint. Das geschieht heute vielleicht nicht mehr durch Heuschrecken, aber immer wieder wird er vielfältige Wege finden, um uns die Chance zu geben, uns ihm zuzuwenden. Ich persönlich durfte auch lernen, dass in Dürrephasen großer Segen liegen kann und dass man an Gottes Liebe nicht zweifeln muss. Du vielleicht auch?

Saphira Reuther, Zwickau


Sonntag, 05. Juli, Psalm 73

Trotz allem

Der Psalm trifft mich tief ins Herz. So aktuell. Diese ungerechte Welt. Die Gewaltmenschen¹ scheinen zu bekommen was sie wollen. Schauen wir uns nur um und Machtpersonen in der Welt an. Nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht und es scheint ihnen gut zu gehen. Und viele kommen an Strafen vorbei. Unfassbar. Da kann sich schnell die Frage stellen: Und was ist mit mir? Aber die betende Person findet aus dem Klagen über Ungerechtigkeit heraus und fühlt am Ende sogar: Würde. Von Gott geschenkt. Und ein „Trotz allem“.
Der Psalm hat mich inspiriert eigene Worte zu finden. Vielleicht sind sie ja auch was für dich.

Trotz allem
Manchmal fühlt sich das Leben unfair an
Die Lauten gewinnen.
Die Rücksichtslosen kommen weiter.
Und ich frage mich, wo ich bleibe.
Ich sehe hin
und verliere den Halt.
Vergleiche werden schwer.
Mein Herz ist so müde.

Doch mitten im Zweifeln
bleibt eine Spur:
Du bist da.
Nicht erklärend.
Nicht richtend.
Nur da.

Ich muss gar nicht stark sein.
Nicht sicher.
Nicht fertig.

¹In vielen Übersetzungen steht das Wort „Frevler“. Das sind Menschen, die Gewalttaten begehen. Daher finde ich die Bezeichnung „Gewaltmenschen“ (aus Bibel in gerechter Sprache) gut.

Damaris Hecker, Pastorin und Gründerin, Heidelberg


Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.

Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.

Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.