Kennst du auch diese Momente, in denen deine Gedanken über all das kreisen, was in deinem Leben gerade „nicht läuft“? Und genau in diesem Moment kommt noch etwas dazu – du verschüttest deinen Kaffee, die Eltern nerven und irgendwie fühlt es sich an, als wäre alles gegen dich. Wie gehst du damit um? Lenkst du dich ab durch Serien, Sport, Alkohol oder sonst irgendetwas? Oder kommst du mit all deinen Problemen zu Gott, der davon nicht überfordert ist?
Der Beter des Psalms 119 macht eine ähnliche Erfahrung. Er wird verfolgt, Lügen werden über ihn ausgesprochen und er wird beinahe getötet. Ihm geht es entsprechend schlecht. Und ja, all diese Sachen behält er im Hinterkopf, er vergisst sie nicht einfach. Trotzdem kommt er damit zu Gott und betet das längste Gebet, was wir in der Bibel finden (Es ist 176 Verse lang!) Bei Gott bekommt er eine neue Perspektive. Er erinnert sich an Gottes Wort, Seine Zusagen und Verheißungen, aber auch an seine Gebote und Regeln. Er vertraut auf diese Zusagen und sehnt sich danach, dass sie in Erfüllung gehen. Er sucht Trost bei Gott und vergisst seine Regeln nicht – das finde ich bemerkenswert. Würdest du in all dieser Bedrängnis zuerst an Bibelverse denken, die dir Hoffnung geben? Würdest du dich fragen, was Gott in dieser Situation von dir möchte? Vielleicht ja, aber würdest du an seine Regeln denken? Ich wahrscheinlich nicht. Aber wieso fallen dem Psalmbeter genau diese Regeln ein?
Er hat die Erfahrung gemacht, dass Gottes Wort – also auch alle seine Gebote und Regeln – Wahrheit ist. Die Einhaltung dieser Gebote führen zu einem Leben in Freiheit, ein Leben, das gelingt. Und diese Erfahrung konnte der Beter aus Gnade (also als unverdientes Geschenk) machen – denn allein schafft es keiner von uns Menschen, sich immer an Gottes Regeln zu halten. Und weil Gott das weiß und weil er es schon immer wusste, werden wir aus Gnade vor ihm gerechtfertigt. Dank seines Sohnes Jesus Christus, der den Himmel nicht ohne uns wollte, der am Kreuz für all unser „Regeln-nicht-einhalten“ gestorben und wieder auferstanden ist, um uns ein ewiges Leben zu schenken.
Der Psalm inspiriert mich, immer wieder in Gottes Wort, die Bibel, einzutauchen. Und er inspiriert mich, Bibelverse auswendig zu lernen. Damit ich diese Wahrheiten dann, wenn es eben „nicht so läuft“, aussprechen kann. Wäre das auch eine Idee für dich?
5 Bibelverse, mit denen du anfangen könntest:
- Johannes 3,16
- 2. Korinther 12,9
- Josua 1,9
- 1. Petrus 5,7
- Sprüche 29,25
Marie Weber,
Evangelische Jugend Marienberg
Das Alter rund um 20 (+- 3 Jahre) ist irgendwie ein komisches, aber auch ein spannendes. Für viele junge Menschen ist das die Zeit, in der sie anfangen richtig erwachsen zu werden. Viele beenden die Schule, andere machen damit weiter. Viele beginnen eine Ausbildung und wieder andere entscheiden sich studieren zu gehen. Einige ziehen dafür von Zuhause aus, in die erste eigene Wohnung oder sogar in eine andere Stadt. Wieder andere bleiben noch ein paar Jahre Zuhause und sparen so ein wenig Geld. Viele Menschen beginnen gerade eine Beziehung mit einer anderen Person, sind mittendrin oder haben sich gerade eben getrennt und sind glücklich über die „neue“ Freiheit. Auch die Freizeitgestaltung ändert sich. Man muss sich die Zeit in der Woche neu eintakten und auch am Wochenende sind die Pläne andere. Viele suchen und finden ein neues Hobby für sich, andere müssen ihre Hobbys hinten anstellen und lernen Prioritäten zu setzen.
Ich könnte das jetzt noch ewig weiterführen und auch du könntest noch einige Sachen nennen die mir vielleicht gar nicht eingefallen sind. Man kennt das von Eltern, Geschwistern oder eben von sich selbst. Was sich aber sagen lässt ist, dass es eine sehr bewegte Zeit ist, geprägt von Veränderungen. Auch bildet sich in dieser Zeit unsere Persönlichkeit. Wir bilden uns Meinungen zu verschiedenen Themen, erstellen unser eigenes Weltbild und einen Wertekompass. Am allerwichtigsten jedoch, wir kreieren in unserem Kopf ein Bild von uns, so wie wir gerne sein wollen. Was wir gern erreichen wollen, wie unser Leben eben aussehen soll. Wir fangen an uns mit anderen in unserem Alter zu vergleichen und sind deshalb manchmal frustriert. Im ersten Johannesbrief gibt es in Kapitel 3, 19-24 ein Satz, der dazu sehr gut passt. In dem Satz heißt es: „Denn wir dürfen wissen: Gott ist größer als unser Herz und weiß alles, er kennt unser Bemühen wie unsere Grenzen.“(GNB)
Mit dem Herz, von dem hier geschrieben wird, ist das eigene Gewissen oder die Selbstwahrnehmung gemeint. Gott ist größer als unsere Selbstwahrnehmung. Er weiß zu was wir fähig sind, er weiß dass wir gerade gut sind, so wie wir sind und er weiß auch dass wir von uns selbst manchmal zu viel erwarten. Deshalb öffnet er seine Arme und lädt uns ein zu ihm zu kommen. Unsere hohen Erwartungen bei ihm abzulegen und einfach akzeptiert zu werden. Dann haben wir wieder, zumindest etwas mehr Platz für Gott und seinen Plan.
„Ihr Lieben, wenn unser Herz uns nicht mehr anklagt, dann können wir mit Zuversicht zu Gott aufschauen.“ (GNB)
Phillip Mothes, Zwickau
In unserem heutigen Wohlstand, in dem wir alles
Lebensnotwendige haben, sind wir zum Dienen berufen. In meinem Alltag fehlt es mir an nichts, ich muss mir keine Sorgen um den morgigen Tag machen, muss abends nicht hungrig schlafen gehen und habe auch so keine Nöte, die mir das Leben arg schwer machen. Das ist bei vielen Menschen anders. Leider müssen sich zu viele Menschen Gedanken machen, wie sie die nächste Woche einkaufen gehen können, die Miete bezahlen oder sie müssen sich mit anderen Schwierigkeiten durchs Leben kämpfen. Immer dankbarer darf ich dieses Tagtägliche Geschenk annehmen und mein Leben in Gottes Hände geben. Jedoch ist das keineswegs als Plattform zum Ausruhen angedacht, sondern bringt Verantwortung mit sich. Vers 17 sticht einem dabei besonders ins Auge, da er uns lehrt, was es heißt, zu Lieben. Es bedeutet großzügig zu sein, sich selbst hintenanzustellen und unsere Nächsten zu lieben, wie wir uns selbst lieben. Das mag alles einfach sein, wenn man in seinem eigenen Kreis bleibt. Aber sobald wir Menschen begegnen, die wir nicht kennen, wird unsere Nächstenliebe sehr stark herausgefordert. Dabei sollten wir doch entgegen der Welt, die sich untereinander hasst, in Liebe handeln und Gutes tun. Gute Taten vollbringen abseits von anerkennenden Worten Gottes Liebe, die in uns lebt, die wir weitergeben dürfen. Kain wird hier als Beispiel genannt, der entgegen dieser Aufgabe handelte und seinen eigenen Bruder tötete. Wir lesen diese Geschichte und denken uns, wie jemand so etwas tun kann. Es beginnt jedoch nicht mit dem Mord an Abel, sondern bereits viel früher. Kain ist neidisch auf Abel, da dieser ein Leben lebt, welches Gott gefällt. Das Leben von Kain jedoch ist geprägt von schlechten Taten, daher wird er als „Kind des Teufels“ bezeichnet. Die Welt ist geprägt von schlechten Dingen, und Menschen missfällt ein anderes, von Gott geliebtes Leben. Die Welt wird uns hassen, das ist uns vorhergesagt. Wir jedoch dürfen diesem Hass nicht nachgeben, sondern sollen ein Licht sein. Wir sollen uns um unseren Nächsten sorgen. Wir sollen Kinder Gottes sein und das nicht verstecken, sondern tagtäglich in die Welt tragen. Wir sollen unsere Mitmenschen lieben. „Deshalb, meine Kinder, lasst uns einander lieben nicht mit leeren Worten, sondern mit tatkräftiger Liebe und in aller Aufrichtigkeit“ (V. 18, HFA).
Lasst uns das zum Anlass nehmen, heute und an den kommenden Tagen mit einer Liebe durch die Welt zu gehen, die einen Unterschied macht.
Justus Sieber, Leipzig
Als Kinder war Verstecken aufregend. Man hockte hinter dem Vorhang, hielt den Atem an und hörte Schritte näherkommen. Dieses Kribbeln: Werde ich entdeckt oder nicht? Gleichzeitig wollte man gesehen werden – aber eben nicht zu früh.
Auch heute verstecken wir uns noch oft, aber es fühlt sich anders an. Weniger spielerisch. Wir verstecken Fehler, Zweifel und Schwächen hinter Lächeln, coolen Sprüchen oder Sätzen wie: „Alles gut.“ Hauptsache, der Eindruck stimmt.
Wir sind ziemlich gut darin geworden, uns selbst zu optimieren – auch im Glauben. Hauptsache, wir wirken reflektiert, vernünftig und moralisch halbwegs stabil. Es geht uns oft mehr um den guten Ruf als um die Wahrheit. Mehr darum, rational zu erscheinen, als wirklich ehrlich zu sein. Aber bei Gott funktioniert dieses Spiel nicht. Vor ihm können – und müssen – wir die Wahrheit nicht verstecken. Ihm geht es nicht darum, was gerade gut aussieht oder was ihm in den Kram passt. Bei Gott zählt nicht der Schein, sondern das Echte.
Genau hier setzt der 1. Johannesbrief an. Er beginnt mit einer starken Zusage: Wir sind Gottes Kinder. Nicht irgendwann. Nicht unter Vorbehalt. Sondern jetzt. Diese Identität ist Geschenk. Gott liebt uns. Daraus folgt kein perfektes Leben, sondern ein neues Fundament aus Liebe und Zuspruch.
Allerdings spricht der Bibelvers auch von Sünde. Sie ist das Ergebnis unseres Handelns, und baut sich wie eine Mauer zwischen uns und Gott auf - eine Beziehungsstörung. Sünde kann aber auch die Beziehung zum mir selbst, meinen Mitmenschen oder die Umwelt stören. Was daraus folgt ist Schuld.
Johannes findet hier ganz schön klare und fast schon angreifend wirkende Worte, wenn er sagt: Gute Christen sündigen nicht! Wow, das ist ganz schön hart. Denn wer kann schon von sich behaupten nicht zu sündigen.
Ich definitiv nicht. Aber darum geht es Johannes auch gar nicht. Ihm ist sehr bewusst, dass wir Menschen niemals frei von Schuld sein können. Sünde ist allgegenwärtig. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob wir sündigen. Sondern: Bestimmt die Sünde unser Leben? Gewinnt sie die Oberhand und nimmt sie uns die Kontrolle?
Aber der Johannesbrief erinnert uns auch daran: Am Anfang war das Wort und es war bei Gott. Er hat die Macht durch ein einziges Wort alles zu verändern. Früher brauchte es für die Sündenvergebung Opfer, Rituale oder Leistungen. Durch Jesus ist das anders. Heute reicht ein ehrliches Bekenntnis an Gott. Keine Show. Keine Ausreden. Keine Filter.
Ein Leben als Kinder Gottes heißt nicht, alles richtig zu machen. Wenn wir mit Gott in Beziehung bleiben, stellen wir uns automatisch gegen die Sünde. Er macht uns stark. Und ja, es bleibt ein Kampf. Doch der ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen unseres Bemühens und unserer Verbindung zu Gott.
Am Ende bleibt eine klare Wahrheit: Wir sind über alles geliebte Kinder Gottes. Das steht fest, auch mit unseren Fehltritten. Wichtig ist aber diese ehrlich zuzugeben und vor Gott zu bringen. Wir müssen uns nicht verstecken. Wir dürfen aus unserem Versteck heraustreten und mutig darauf vertrauen, dass Gott ein Fundament aus Liebe für unser Leben bereitstellt. Auf dieses können wir unser ganzes Leben auf- und auch immer wieder umbauen.
Annika Frei, Wüstenrot-Neuhütten/ Eichstätt
Die Parole „Es ist fünf vor zwölf“ ist vielen von uns aus den letzten Jahren in Erinnerung geblieben. Fünf vor zwölf beim Klima. Fünf vor zwölf bei Wahlen. Fünf vor zwölf bei politischen Entscheidungen. Fünf vor zwölf beim Thema Frieden. „Fünf vor zwölf“ heißt: Es ist dringend. Nicht irgendwann. Jetzt.
Und dann kommt Johannes mit einem Satz, der erstmal genauso klingt: „Liebe Kinder, die letzte Stunde hat begonnen.“ Das kann Druck machen. Das macht Druck. Und trotzdem steckt für mich etwas Tröstliches drin. Weil da einer schreibt, dem es nicht egal ist. So wie uns vieles nicht egal ist – unsere Zukunft, unsere Welt, unser Miteinander – so ist Johannes nicht egal, wie Menschen um Christi willen leben.
Johannes merkt: Da kippt etwas. Da spaltet sich etwas. Da wird über Jesus geredet – und am Ende bleibt nicht Jesus übrig, sondern eine Version. Die einen ziehen ihn ins Geistige: „irgendwie göttlich, aber nicht wirklich Mensch.“ Die anderen ziehen ihn ins Menschliche: „nur ein Mensch – und das war’s.“ Und Johannes sagt: Nein. Christus ist Christus. Gottes Sohn. Wahrer Mensch und wahrer Gott. Und wer das auseinanderzieht, verliert nicht nur einen Gedanken – der verliert Halt.
„Die letzte Stunde“ – das ist bei Johannes nicht der Versuch, Endzeit auszurechnen. Kein Armageddon-Fahrplan. Sondern ein Dringlichkeitsappell: Bleibt. Bleibt in dem, was ihr von Anfang an gehört habt. Bleibt bei Christus. Nicht nur diskutieren. Nicht nur kommentieren. Nicht nur mal eben zustimmen. Bleibt.
Und jetzt kommt mein Gedankenspiel, weil ich merke: Genau da wird es konkret. Es geht um „wahr-haftig“. Wahr-haftig – das heißt: Ich hafte an etwas. Ich hänge mich an etwas dran. Ich halte mich fest. Und dann frage ich mich: Woran hafte ich eigentlich? Woran klebe ich? An Druck? An Erwartungen? An dem, was andere über mich denken? An meinem Bild nach außen?
Ich will es auf einen Satz bringen, quasi ein Geländer schaffen:
„Wahr-haftig: Ich halte mich an Christus.
Wahrhaft-ich: Christus hält mich.“
Wahr-haftig: Ich halte mich an Christus. Nicht an meiner Leistung. Nicht an meinem sauberen Image. Nicht an
meiner Angst. Sondern an ihm.
Wahrhaft-ich: Christus hält mich. Auch wenn ich schwach bin. Auch wenn ich zweifle. Auch wenn ich Mist baue. Auch wenn ich mich schäme. Auch wenn ich nicht weiß, wer ich gerade bin.
Und dann wird die Frage plötzlich sehr schlicht –
aber sehr echt:
Haftet die Wahrheit an mir, wenn’s eng wird?
Bleibe ich in Jesu Wegen, wenn’s unbequem wird?
Lasse ich Gottes Wort Raum in meinem Leben – sodass ich nicht nur irgendwie durchkomme, sondern dass mein „Ich“ wahr werden darf?
Diakon Alexander „Axel“ Przyborowski
Ebersbach/Rödern
Ich bin Hansi aus dem Erzgebirge. Ich mache Comedy auf YouTube, stehe gern vor der Kamera und hab Spaß an guten Ideen, Reichweite und Erfolg. Und genau deshalb trifft mich dieser Text aus dem 1. Johannesbrief ziemlich direkt. Johannes schreibt davon, dass unsere Schuld vergeben ist und dass wir zu Gott gehören. Das ist erstmal gut zu hören. Gerade für mich, weil ich mich oft frage, ob ich überhaupt ein „guter Christ“ bin. Ich vergleiche mich schnell mit anderen und merke, wie mein Blick eher auf das geht, was mir fehlt, statt auf das, was Gott mir schon geschenkt hat. Dann sagt Johannes diesen Satz: „Liebt nicht die Welt.“ Und da merke ich innerlich Widerstand. Weil ich diese Welt mag. Ich mag schöne Autos, Komfort, Technik, Möglichkeiten. Ich mag es, wenn Videos gut laufen, wenn Reichweite wächst und Menschen reagieren. Social Media ist voll von Dingen, die glänzen – und ich kann da oft nicht widerstehen. Johannes spricht von Dingen, die sich gut anfühlen, gut aussehen und uns wichtigmachen. Genau das ist mein täglicher Kampf. Nicht, weil diese Dinge böse sind, sondern weil sie mein Herz schnell einnehmen. Und dann merke ich, wie Gott leiser wird. Manchmal denke ich: Wenn Jesus jetzt wiederkommen würde – wäre ich überhaupt bereit? Ehrlich gesagt nicht. Ich habe noch so viele Pläne, Ideen und Dinge, die ich erleben will. Und genau deshalb fällt mir dieser Satz schwer: „Die Welt vergeht.“ Ich will das oft gar nicht hören. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich: Johannes will mir nichts wegnehmen. Er will mir etwas Größeres zeigen. Nicht alles, was glänzt, trägt. Nicht alles, was Erfolg bringt, füllt das Herz. Und nicht alles, was Komfort ist, bringt Frieden. Dieser Text verurteilt mich nicht. Er lädt mich ein, mich neu auszurichten, wohin mein Herz zeigt. Nicht perfekt, nicht radikal von heute auf morgen – sondern ehrlich. Schritt für Schritt. Vielleicht bedeutet Glaube manchmal einfach zu sagen: „Gott, ich merke, dass mich die Welt anzieht – aber ich will trotzdem bei dir bleiben.“ Und vielleicht reicht das fürs Erste.
Fragen zum Nachdenken
Woran merke ich, dass mir Dinge dieser Welt manchmal wichtiger werden als Gott?
Was zieht mein Herz gerade am stärksten – Erfolg,
Anerkennung, Komfort oder Nähe zu Gott?
Was würde sich in meinem Alltag ändern, wenn ich Gott wieder mehr Raum gebe?
Josef Köhler, Pobershau, EvJuMab
„Liebe deinen Nächsten.“ Und das nicht nur oberflächlich, sondern von Herzen liebevoll gemeint. Natürlich verbinden wir diese Worte sofort mit dem Neuen Testament. Aber nun meint Johannes in Vers 7, dass das Gebot nicht neu ist, sondern schon vor langer Zeit offenbart wurde. Mit Blick auf das Alte Testament erkennen wir dieses Gebot tatsächlich in Form der Stammesliebe. Familie war das höchste Gut, es galt sie zu ehren und bis auf den Tod zu beschützen. Und trotz seiner Beständigkeit bringt das Gebot nun was Neues mit sich: Von der Liebe rein zur eigenen Blutsverwandtschaft breitet sie sich auf das gesamte Umfeld aus. Gottes Liebe im Neuen Testament gilt allen! Jesus, Gottes Sohn, hat die Nächstenliebe geprägt: Das ist das neue Gesetz. Und dieses dürfen wir Christen widerspiegeln und davon lernen.
Wir merken oft, dass es superleicht ist, Menschen zu lieben, die eine ähnliche Meinung haben wie wir selbst. Sehr gegensätzliche Meinungen dagegen können aufwühlen, verunsichern und Abstand nehmen lassen. Dies geschieht auch schon innerhalb einer Familie, wo es schnell vorbei ist mit der „Stammesliebe“. Auch Grabenkämpfe unter uns Christen sind sehr real. Gemeinden schotten sich ab, man verdreht übereinander die Augen oder es fallen richtig gehässige Worte. Johannes nutzt klar den Kontrast von Dunkelheit (Hass) und Licht (Liebe). Wir sind so damit beschäftigt, andere Menschen abzulehnen, dass Gott gar keinen Raum mehr bekommt. Dabei ist die gelebte Akzeptanz von Andersartigkeit so wichtig, wo sich Gott durch die Gemeinden in so unterschiedlicher Art und Weise offenbaren kann. Jeder von uns hat mit seinen eigenen Dunkelheiten zu kämpfen. Dabei können wir überprüfen: Geht dieser Unmut wirklich von mir aus oder beeinflusst mich gerade was? Ist mein Herz wirklich die Basis für meine Überzeugung oder sehen meine Taten anders aus? Hier wünschen wir dir Menschen an deiner Seite, die dich begleiten und dir auch wertschätzend
Rück-meldung geben: Wie nehmen sie dich wahr?
Vielleicht erkennst du Unterschiede in der Fremd- und Eigenwahrnehmung?
Wir wünschen uns, dass wir unsere Perspektive wechseln, mehr hin zum Licht. Das bedeutet aber auch, mal unbequeme Wege zu gehen, denn Menschen liebend zu begegnen, kostet Kraft und diese kann nicht von uns allein heraus entstehen. Aber wenn Gott uns hilft, glauben wir, dass Versöhnung in Familien, Freundschaften und unter Christen entstehen kann. Nicht immer bequem, aber am Ende voller innerer Freiheit.
Kreis junger Erwachsener, EmK Zwickau
Die Andachten für die Sommerzeit wurden von Jugendlichen, Teenagern und jungen Erwachsenen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland verfasst.
Sie spiegeln die Breite des Glaubens und Denkens von jungen Menschen wieder. Die Verantwortung für den Inhalt liegt deshalb bei den AutorInnen.
Die Andachten für die Sommerzeit werden kostenlos an die Gemeinden der EmK in Deutschland abgegeben.
Sie dienen keinem kommerziellen Zweck und werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.